Ich bin an dieses Buch ohne Vorbehalte herangegangen.
Während des Lesens machte sich bei mir ein etwas seltsames Gefühl breit. Irgendwie vermittelte es mir ein ungutes Gefühl - was ich zuerst darauf schob, dass es halt ein sehr bedrückendes Thema behandelt.
Am Ende war ich dann ziemlich ernüchtert.
Cassie Bernall war Schülerin an der Columbine Highschool. Ihre Mutter hat dieses Buch nach dem Amoklauf zweier Jugendlicher über sie geschrieben. Dreh- und Angelpunkt dabei ist der Bericht eines Schülers, der mit Cassie in der Bibliothek war, als die schwerbewaffnete Jugendlichen (u. a.) dort ein Blutbad anrichteten. Bald macht die Aussage die Runde, dass einer der beiden Cassie gefragt habe, ob sie an Gott glaube, woraufhin sie mit "ja" geantwortet haben soll. Cassie überlebte das Massacker nicht. Die Geschichte wurde begierig von den Medien aufgenommen - bald galt Cassie als Märtyrerin (so auch im Originaltitel des Buches).
Misty Bernall rollt nun das Leben ihrer Tochter auf. Sie schreibt darüber, wie Cassie von einem sehr verstörten jungen Mädchen, das sich mit ihrer Freundin Briefe darüber schrieb, wie sie ihre Eltern umbringen würden, sich selbst verletzte ... Die Eltern sehen sich so hilflos, dass sie Cassie jeden Umgang mit ihren alten Freunden verbieten, ihre Telefonate und Briefe kontrollieren, Ausgangssperren verhängen.
Misty Bernall geht nach dem Tod ihrer Tochter noch einen Schritt weiter, indem sie in ihrem Buch diese Geschichte nicht nur aller Welt erzählt, sondern sogar persönliche Dokumente ihrer Tochter veröffentlicht ...
In ihrem (nur natürlichen) Bemühen, ihre Tochter "auf den rechten Weg" zu bringen, nehmen sie sie von ihrer alten Schule und schreiben sie auf einer privaten christlichen Schule ein. Ein Wochenende mit einer christlichen Jugendgruppe verändert Cassie. Fortan will sie sich ändern, ihr Leben hin zu Gott wenden.
Sie selbst sieht sich rückwirkend - nach dem Bericht einer Freundin - "von einer ganz realen Macht der Finsternis gepackt", als habe sie "ihre Seele an Satan übergeben". Ihre Mutter, die sich "in einen geistlichen Kampf verwickelt" sieht, manchmal laut betet, wenn ihre Tochter ausflippt, meint an einer Stelle, dass "etwas wahrhaft Böses am Werk war".
Meine Meinung: Ein Buch über ein Mädchen, das wohl sehr einsam war, sehr empfindsam, und sehr traurig. Ein Mädchen, das dazugehören wollte, das Freunde suchte - auch unter Menschen, die genauso verloren waren, wie sie selber. Und das posthum zu einer Märtyrerin gemacht wurde.
PS: Ich habe ein bisschen gegoogelt, weil mich das Buch so beschäftigt hat ... Bei Wikipedia (der deutschen, mehr noch der amerikanischen) ist zu lesen, dass es einen Wortwechsel wie den, der den Mythos Cassie Barnall begründet, in Wahrheit nie gegeben hat ...