„Wisst ihr, dass Tag für Tag vierzehn Kinder in namenlosen Gräbern begraben werden, weil niemand weiß, wer sie sind? Wollt ihr etwa auch so enden? Ihr könntet sterben, ohne dass irgendjemand was davon mitkriegt. Nicht einmal eure Eltern würden davon erfahren. Wollt ihr das wirklich?“ (Seite 42)
Inhalt: Maybe lebt seit einer Weile mit ein paar sogenannten „Freunden“ auf der Straße. Die kleine Gruppe, die durch die Straßen von London zieht und täglich betteln geht, nennt sich „Asphalt Tribe“.
Um Neujahr rum ist der Kampf ums Überleben besonders hart. Maybe friert unaufhörlich und OG, der mit 22 Jahren als so gut wie tot gilt, wird zusehends kränker. Immer wieder taucht die Polizei auf und mischt sich ein. Aber der „Asphalt Tribe“ will keine Hilfe, von niemandem. Doch die junge Ausreißerin Maybe sieht irgendwann ein, dass es nur einen Ausweg gibt, den die Straße vorsieht: den Tod. Und so beginnt sie, Hilfe anzunehmen…
Zum Buch: Die Geschichte um den „Asphalt Tribe“, den Stamm, der auf der Straße lebt, ist beeindruckend realistisch geschrieben. Ohne versteckte Wahrheiten werden in dem Buch die schlimmen Seiten des Straßenlebens verdeutlicht: die Einsamkeit, das Fehlen von Lebensstandards, das Betteln und das Hungern, wenn man nichts hat, um sich etwas zu kaufen. Aber auch die Themen Drogen, Prostitution und Schicksalsschläge sind hier vertreten. Nicht zuletzt natürlich ebenso die Vorgeschichten der Jugendlichen- warum sie überhaupt zu Straßenkindern wurden- werden hier beschrieben. Jeder hat seine eigene Geschichte.
„Asphalt Tribe“ macht den Leser nachdenklich. Die Lebensweisen der hier genannten Jugendlichen mögen einem schier unglaublich vorkommen, aber, wie im Nachwort erwähnt, diese Fälle gibt es tatsächlich und solche nicht gerade wenige, (und diese auch nicht nur in Amerika, sondern auch hier in Deutschland).
Man möchte den jungen Leuten an der Schulter packen und sagen: „Wach endlich auf! Das ist doch kein Leben!“ Aber andererseits: würde man das in der Realität tun? Schert sich nicht jeder bloß um sein eigenes Ding? Sieht die Gesellschaft nicht zu, wie andere Leute auf der Straße förmlich „verhungern“?
Rhue hat in seinem Roman aber, was das angeht, auch sehr klar geschrieben: viele wollen sich nicht helfen lassen. Sind zu stolz. Sind misstrauisch und verängstigt und haben zu viel Leid erlebt. Dies ist ihm wirklich gut gelungen und zeigt auf, dass Menschen nicht einfach so leben, weil sie eben so leben wollen, sondern hinter dem ganzen Weg zur Straße hin steckt viel mehr und meistens schreckliche Schicksale.
Das Buch ist in sich rund, erzählt eine traurige Geschichte über ein paar Menschen, die notgedrungen im gleichen Ort ihr Dasein fristen, die so in etwa passiert sein könnte.
Die Figur der Maybe war sehr glaubhaft. Vom Schicksal gebeutelt, ratlos, einsam und misstrauisch ist sie, was nachvollziehbar ist, wenn man ihre Geschichte verfolgt. Aber sie macht auch eine Entwicklung durch, die sie durch kleine Gesten der Menschlichkeit zu einer anderen, lebendigeren Person werden lassen.
Sprache und Stil sind, wie von Rhue gewohnt, sehr klar und ansprechend zu lesen. Ich kann da nichts bemängeln, im Gegenteil. Wieder einmal beweist der beliebte Autor, dass er Themen jugendgerecht in Romanform bringen kann, dabei unterhält und gleichzeitig über das jeweilige Thema informiert.
„Asphalt Tribe- Kinder der Straße“ ist sehr empfehlenswert.