Leser-Rezension zu „Asphalt Tribe” von Morton Rhue
am 5.02.2011
Eine Realität, wie ich sie mir in der Form noch nie ausgemalt hatte. Kinder kämpfen ums Überleben, und dies alles unter dem Motto der Freiheit und Zwanglosigkeit. Keine Pflichten und Regeln gäbe es dabei zu beachten, man muss nicht ins Bett wenn die Erwachsenen es so wollen, man kann Essen wann und was man will und man bekommt auch keinen Ärger mehr, wenn man zu spät nach Hause kommt. Vernunft spielt dabei weniger eine Rolle, oder zumindestens eher die der Kinder. Die kleine Maybe erzählt dem Leser, wie es ihr geht, eigentlich sind sie alle recht zuversichtlich, es ist schön Gleichgesinnte zu haben. Doch: Die Zeit vergeht und es wird Winter, ein sehr kalter Winter sogar und langsam wird Maybe und ihren Freunden, die sich zusammen den Namen "Asphalt Tribe" nennen klar, so kann es nicht weitergehen. Doch einmal in diesem Sumpf gefangen, kommt man nur schwer wieder heraus - wenn man nicht einsieht WARUM. Erwachsenenansichten und Kinderwünsche prallen hier aneinander und aufeinander eingehen fällt schwer. Es gibt wenige Menschen die diese Straßenkinder wie Maybe überhaupt bemerken, die meisten schaffen sich ein gutes Gewissen, indem sie ihnen ein paar Dollar geben und ihnen - im besten Falle - noch gut zureden "du kannst doch noch so viel erreichen in deinem Leben! Komm doch von der Straße weg!". Vielen Erwachsenen fehlt einfach das nötige Einfühlungsvermögen denn fast jedes Kind hat einen trifftigen Grund sich für das Leben auf der Straße entschieden zu haben - und den gilt es nicht zu vergessen.
Die Charaktere in diesem Buch sind schillernd und vielfältig, ihre Freundschaft zweckgebunden aber irgendwie auch liebevoll. Das Buch bietet viele Gelegenheiten zum Mitheulen und vor allem schaffte es bei mir ein Gewissen zu wecken, welches ich vorher in diesem Sinne nicht hatte. Stark!

