Ein Lesegenuss der Extraklasse ist, wenn jedes Wort auf der Zunge schmilzt wie Schokolade!
In meiner Welt müsste ich jetzt nicht mehr sagen und würde damit meine Stellungnahme zum Roman beenden, doch sicherlich wollt ihr, liebe Leser, mehr darüber wissen. Wobei ich sagen muss, dass es gar nicht so einfach ist diese Rezension zu schreiben, da mir das Buch einfach verdammt gut gefallen hat. Nun denn ...
Die Gildenjägerin, Elena, und der Erzengel, Raphael, sind zwei Protagonisten die ich mit all meiner Vorstellungskraft niemals zu einem Happy End gebracht hätte - und genau dort liegt der Kniff mit dem die Autorin, Nalini Singh, mich so dermaßen begeistert hat.
Raphael ist ein mächtiger, unsterblicher Erzengel. Erfurchtgebietend, gnadenlos und beizeiten mörderisch. Wohingegen Elena, die Jägerin, mit der großen Klappe, die sie oftmals haarscharf an Tod vorbeirennen lässt, umso zerbrechlicher wirkt in ihrer Sterblichkeit!
Selbst wenn man die Tatsache in Betracht zieht, dass die Engel Vampire erschaffen könnten ist es unmöglich, dass diese beiden zueinander finden, denn Elena will niemals eine Blutsaugerin werden.
Dass es eine Liebesgeschichte geben wird war mir von anfang an bewusst, nur war ich nicht auf diese Farcettenreiche Gestaltung des Geschehens vorbereitet und mich hat das Ende damit schier umgehauen!
Die Spannung und Aktionreichen Szenen, welche bei die Jagt nach Uram - ebenfalls einem Erzengel - genügend vorhanden sind, geben dem Ganzen eine ganz eigene Stimmung, denn es handelt sich hier keineswegs um einen schnulzigen Liebesroman. Brutalität, Leichen und massenhaft Blut pflastern den Weg des irren Erzengels und hinterlassen ein Bild des schreckens - nicht nur bei Elena, sondern ebenfalls bei den Lesern. Die bildreichen Beschreibungen der Autorin tun ihr übriges und so wird ein Strudel des Albtraums geöffnet und immer wieder kämpft die Jägerin nicht nur gegen Uram, sondern auch gegen ihre ganz eigenen Schatten der Vergangenheit, welche sie immer weiter einzuholen scheinen.
Ich war entsetzt, ergriffen, wütend, mitfühlsam und noch einiges mehr während ich "Engelskuss" las. Eine reine Achterbahnfahrt, wenn man bedenkt, wie viel auf diesen etwa 400 Seiten alles passiert.
Auch der Show-Down am Ende ist absolut gelungen und lässt den Leser mit Schrecken die Geschehnisse mitverfolgen, sodass man gar nicht schnell genug lesen kann.
Sehr interessant waren auch Raphaels Leibwächter - die Sieben. So zeigt es sich doch wieder, welches Wesen dem Erzengel innewohnen muss, dass er die Lojalität sehr alter Vampire und auch einigen Kriegerengeln für sich gewonnen hat, denn sie würden ihn ohne zu fragen mit ihrem Leben schützen.
Unterschwellig, aber dennoch vorhanden waren vor allem die Anzeichen von Menschlichkeit in Raphael. Menschlichkeit bedeuten großteils Gefühl und wer Acht gibt bekommt mit, dass er sich um Elena sorgt, ihr so einige durchgehen lässt für das andere gestorben wären und sie vor den Demütigungen ihres Vaters zu schützen versucht - ganz ohne Elena dies merken zu lassen. Un langsam begreift auch er, dass sein Interesse an der Jägerin nicht ausschließlich auf sexueller Anziehung beruht.
Ohne Frage gebe ich diesem Buch aus all den oben genannten Gründen - und vielleicht noch tausenden Grunden mehr - die vollen 5/5 Sterne!