Die beiden Protagonisten, Elena und Raphael, kennt der Leser bereits aus Engelskuss und ihre Geschichte geht nun in Engelszorn weiter. Sehr markant wird hier der unterschied der beiden hervorgehoben, denn trotz Elenas Verwandlung in einen Engel ist sie - was ihre Macht und Fähigkeiten betrifft - noch immer weit hinter Raphael hinterher. Doch, dass die beiden sich lieben bleibt unbestritten, schließlich ist Elenas Verwandlung der beste Beweis dafür. Vor allem ist es interessant zu sehen wie zwei so verschiedene Menschen/Engel ein Vertrauen zueinander aufbauen, dass es so sicherlich noch nicht gegeben hat, denn Elena öffnet sich nach und nach und gibt verstörende Details ihrer Kindheit preis. Aber auch der unnahbare Raphael, mörderischer Erzengel, wird auf seine Art Elena gegenüber "weich" und erzählt ihr gleichermaßen von seiner eigenen Kindheit, seinen Eltern. Diese Momente sind absolut rührend, denn dem Leser ist klar, dass gerade Raphael nicht wahrlos mit Geheimnissen um sich schmeißt - ganz im Gegenteil ist er doch eher verschlossen, denn auch hier gilt wieder ganz klar: Wissen ist Macht.
Elenas schmerzliche Kindheit wird für sie selbst zur Probe, denn scheint sie viel mehr vergessen oder verdrängt zu haben als sie vermutete und nun drängen sich ihr schreckliche Erinnerungen auf, welche sie nicht mehr nur in ihren Träumen heimsuchen. Doch die Vertrautheit und Liebe zu ihrem Erzengel gibt ihr Kraft und das erste Mal in ihrem Leben hat sie eine Schulter zum anlehnen.
Dass Elena, nun da sie zum Engel wurde, eine Art Attraktion ist macht ihr das Leben nicht einfacher, denn nun steht sie im Fokus eines jeden Erzengels - was interessant oder absolut tödlich sein kann. So bringt auch der weibliche Erzengel Lijuan nichts als Gefahr mit sich. Ist sie doch die Älteste aller Engel und geplagt von Langeweile, was sie zu dem "spiel" bringt Elena mit ihrer Vergangenheit zu quälen und dazu macht sie sich einen Spaß daraus zu versuchen Elena als schwaches Spielzeug Raphaels darstehen zu lassen.
Diese Spielchen sind begleitet mit einer düsternis, wie sie nur Lijuan ausstrahlen kann, denn sie stellt eine riesige Gefahr für alle Engel dar. Da sie seit "neustem" tote erwecken kann scheint es nichts zu geben was sie und ihre Grausamkeit aufhalten kann. Diese Tatsache brachte sogar mir ein wenig Gänsehaut und auch, dass Lijuan mitlerweile nicht von dieser Welt ist macht sie umso gruseliger.
Raphael jedoch zeichnet sich besonders dadurch aus, dass er alles dafür tut um Elena zu beschützen und genau das ist nicht alltäglich bei einem Engel oder gar Erzengel. Doch was die Liebe nicht sogar mit ihm anstellen kann? So sehen andere Elena als seine Schwäche, sieht er sie als seine größte stärke, denn sie verändert ihn. Führt ihm weiter weg von der Stille, der Grausamkeit, der Gefühlskälte und eröffnet gleichzeitig neue Türen und vor allem sein Herz!
Nach Engelskuss ist auch Engelszorn ein reines Leseerlebnis. Den Leser erwarten in diesem zweiten Band der Gilde der Jäger vor allem Veränderungen und sehr viele düstere Geschehnisse, welche die Engel und Erzengel umwogen. Elena als erster geschaffener Engel seit jahrtausenden, Raphaels Liebe, Lijuans Grausamkeit, der Versuch einen Krieg vom Zaun zu brechen und nicht zuletzt das letzte gebrochene Tabu - der Angriff auf ein Engelskind. Der Leser wird mehr als sehr gut unterhalten und die Spannung steigt weiterhin. Natürlich wird auch Elena mehr als einmal auf die Probe gestellt, doch die starke Jägerin beweist Rückgrat.
Ich bin begeistert und gebe auch diesem Band volle 5/5 Sternen.