Rezension verfasst vor 1 Jahr
(10)
Rezension:
Ein neuer Englischlehrer kommt an die amerikanische Eliteakademie Welton. Er heißt John Keating und bringt seinen Schülern mit ungewöhnlichen und innovativen Lehrmethoden nicht nur Literatur und Lyrik wieder nah, sondern auch den Sinn des Lebens: Nutze den Tag, mache etwas aus deinem Leben und verwirkliche deine Träume. Die Schüler lassen daraufhin den sogenannten „Club der toten Dichter“ wieder aufleben. Sie lesen sich Gedichte vor, ermutigen sich gegenseitig. Sie brechen aus den ihnen vorgegebenen Strukturen aus und tun endlich die Dinge, von denen sie schon lange träumten.
Kleinbaum schrieb diesen Roman untypischerweise nach dem Vorbild des gleichnamigen Films. Wer den Film gesehen hat, hofft hier also vergeblich auf nötige Hintergrundinformationen oder Vertiefungen der Charaktere. Das Buch ist im Grunde eine Mitschrift des Films. Leider wird nicht oft genug von der auktorialen Erzählweise Gebrauch gemacht und die Gefühlswelt der Charaktere erläutert. Dennoch ist diese Mitschrift in außergewöhnlich schöner Sprache verfasst worden, was das Bestehen dieses Romans irgendwie doch noch rechtfertigt.
Im „Club der toten Dichter“ sind die unterschiedlichsten Mitglieder und Charaktereigenschaften zu finden. Todd ist zurückhaltend und steht im Schatten seines älteren Bruders, der vorher auf der Akademie war. Er hat wenig Selbstbewusstsein und traut sich nicht viel zu. Keating schafft es, ihn seiner Lethargie zu entreißen. Der Leser bemerkt, wie sich Todd im Laufe der Erzählung wandelt. Allerdings finde ich nicht, entgegen vieler Meinungen und Rezensionen, dass die Figur Todd im Buch mehr in den Vordergrund tritt. Er wird genauso tiefgehend behandelt wie im Film auch.
Da gibt es auch noch Knox, der sich unsterblich in ein Mädchen verliebt hat, und mit dem Carpe-diem-Gedanken im Hinterkopf endlich den Mut findet, sie anzusprechen. Für Neil wiederum bedeutet das Schauspielen alles. Doch das ist im Plan der Eltern nicht vorgesehen. Neil soll nach Harvard gehen und Doktor werden.
Im Laufe der Erzählung passiert ein herber Schicksalsschlag, der mich wirklich umgehauen hat. Alle haben sich zum Guten verändert und ihr Leben wenden können. Die Stimmung des Buches war fast euphorisch, als der Leser plötzlich in die Wirklichkeit zurückgeholt wird. An dieser Stelle möchte ich jedoch nicht zu viel verraten. Der Überraschungseffekt verfehlt seine Wirkung, wie auch im Film, jedenfalls nicht.
Die Vokabelangaben dieser Klettausgabe sind genau richtig dosiert. Oft habe ich bei Englischlektüren immer das Problem, dass genau die Vokabeln, die ich benötige, nicht angegeben sind und die einfachen eben schon. Dies trifft auf die Ausgabe nicht zu. Nur die nötigsten Vokabeln, die, die man nicht wissen kann oder die zum Verständnis des Textes benötigt werden, sind jeweils unten auf der Seite zu finden.
Fazit:
Ein tiefgehender Roman über Mut, Liebe, Vernunft und eigenständiges Denken. Diese Themen stammen jedoch vom Film und werden im Buch entgegen meiner Erwartungen nicht vertieft. Trotzdem: Kleinbaum nutzt die Sprache gekonnt ein, sodass das Lesen ein Vergnügen ist. Es ist nicht nur als Schulbuch zu empfehlen.
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