Leser-Rezension zu „Die Umarmung des Todes” von Natsuo Kirino
am 4.07.2011
Vier Frauen haben eine lose Freundschaft durch ihre Nachtarbeit in einer Lunchpaketfabrik. Als der Mann von einer die gesamten Ersparnisse für eine neue Wohnung beim Glücksspiel durchbringt, erdrosselt sie ihn im Affekt. Die anderen drei helfen ihr, die Leiche zu entsorgen. Das ist der Beginn einer aberwitzigen Spirale von Geschehnissen ...
Das Buch hat über 600 Seiten, so gesehen war ich sehr milde, als die ersten 15, 20 Seiten mehr Beschreibung (etwa minutiös die Arbeit am Fließband) als Handlung aufgewiesen haben, vor allem, weil Kirino eine überzeugende Figurenzeichnung bringt. Doch nach dem Mord setzt sich die Spirale schlagartig in Bewegung, und das Buch entwickelt einen Sog, der einem zunehmend den Atem nimmt. Grauslichkeiten werden zur Normalität ebenso wie Menschen, die sich in psychischen Grenzbereichen befinden und auch den Limes überschreiten. Ich konnte ihnen bis zu den abstrusesten Absonderlichkeiten folgen. Für mich große psychologische Schreibkunst von Kirino mit dem Mut, Abgründe, die wir alle von uns nicht wissen wollen, nicht auszusparen.

