Leser-Rezension zu „Schneewittchen muss sterben” von Nele Neuhaus
am 24.06.2010
Weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz,
so liegt Schneewittchen in der geheimen Kammer - nur dass das Weiße inzwischen gelb ist. Der Prolog beginnt grausig und spannend zugleich, und spannend geht es weiter. Tobias Sartorius wird nach 11 Jahren Haft aus entlassen: ihm wird zur Last gelegt, zwei Mädchen ermordet zu haben, doch ihre Leichen wurden nie gefunden. Abgeholt wird er von Nadja, einer früheren Freundin, die die ganze Zeit über Kontakt zu ihm gehalten hat. Alle anderen Freunde haben sich von ihm abgewendet. Auch hatte Tobias die Schuld nie eingestanden, verurteilt wurde er aufgrund von Indizien.
Das Leben im Dorf war für Tobias' Eltern ein Spießrutenlaufen, die Ehe wurde geschieden, die Existenzgrundlage - eine Gaststätte - brach weg, weil die Kunden ausblieben. Und jetzt kommt Tobias zurück und wird sofort angefeindet, Parolen werden an die Wand geschmiert, der geballte Hass des Dorfes entlädt sich auf ihn. Doch Tobias kann sich an nichts erinnern und fühlt sich unschuldig. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Tobias' Mutter wird von einer Brücke gestoßen und überlebt nur knapp. Auf einem alten Militärflughafen wird ein Skelett gefunden. Das Mädchen Amelie, selbst Fremde im Dorf, beginnt, zu fragen und alte Wunden wieder aufzureißen - und verschwindet selbst spurlos. Die früheren Freunde sind oberflächlich und scheinen etwas zu verbergen, nur Nadja hält fest zu Tobias - zu fest, wie es scheint. Als dann noch Bilder auftauchen, die ein autistischer junger Mann von den Vorgängen gemalt hat, überschlagen sich die Ereignisse...
Dies ist mein erster Roman von Nele Neuhaus, aber bestimmt nicht mein letzter. Der Roman war sehr spannend und trotz der Fülle an handelnden Personen gut durchstrukturiert - zum Schluss hätte aber etwas gestrafft werden können, ich habe zwar nie den roten Faden verloren, aber die Fakten wurden doch etwas viel. Sicher wurden auch einige Klischees bedient, aber das wirkte nicht störend auf mich. Insgesamt ist das der vierte Teil einer Serie, und obwohl ich eigentlich gerne von Anfang an lese, habe ich gut in das Drumherum und Miteinander im Kommissariat hineingefunden. Mein Kompliment, das Buch werde ich auf jeden Fall weiter empfehlen.

