Leser-Rezension zu „Tiefe Wunden” von Nele Neuhaus
am 31.07.2010
Der 92-jährige David Josua Goldberg, der den Krieg und Ausschwitz überlebt hatte und jetzt seinen Lebensabend in Deutschland verbringen wollte, wurde in seinem Haus tot aufgefunden. Man hat ihn mit einem Genickschuss getötet und ins sein Blut eine fünfstellige Zahl geschrieben. Goldberg müsste seinen Mörder gekannt haben, es gibt nämlich keine Einbruchsspuren und auf dem Couchtisch im Wohnzimmer findet man zwei Weingläser und eine Flasche sehr teuren Weins.
Der Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff, die Ermittlungen übernehmen, sind fassungslos, als sie vor der Leiche des in der Welt hochgeschätzten Mannes stehen. Und dann macht der Arzt bei der Obduktion eine seltsame Entdeckung: auf der Innenseite von Goldbergs linkem Oberarm findet er Reste einer Blutgruppentätowierung, die nur die SS-Männer getragen haben. Und bereits am nächsten Tag kommt Goldbergs Sohn aus Amerika, begleitet von zwei CIA-Leuten, und verlangt die Herausgabe der sterblichen Überreste seines Vaters. Daraufhin wurde der Fall Goldberg auf strikten Befehl des BKA eingestellt.
Aber bald geschehen zwei weitere Morde: an Hermann Schneider, der in seinem Keller diverse Relikte aus der Nazizeit aufbewahrt hat und an Anita Friggs, die aus einem Altenhaus entführt wurde. Alle beide wurden, genauso wie Goldenberg, mit einem Schuss ins Genick getötet und bei beiden fand man die rätselhafte Zahl mit dem Blut des Opfers geschrieben. Und noch eins verbindet die drei: die Bekanntschaft mit einer hochangesehenen und erfolgreichen Unternehmerin - Dr. Vera Kaltensse, die 1945 Ostpreußen verlassen musste.
„Tiefe Wunden“ ist ein Roman über Verbrechen, deren Spuren in die Vergangenheit des zweiten Weltkrieges führen. Spannend wurde das Leben einer bekannten Unternehmerin und Wohltäterin, die in letzten Tagen des Krieges aus Ostpreußen fliehen musste, dargestellt. Dr. Vera Kaltensee gelingt es, ein neues Leben in Taunus aufzubauen und sie könnte jetzt, sechzig Jahre nach dem Krieg, ihren Erfolg mit ihrer Familie und ihren Freunden genießen. Aber die neuesten Ereignisse erschüttern diese heile Welt und die dunkelsten Geheimnisse werden gelüftet. Nicht zuletzt dank der erfolgreichen Ermittlungen von Bodensee und Pia Kirchhoff.
Nele Neuhaus schreibt flüssig, locker und sehr schön. Gleich zu Beginn wird es spannend und obwohl die Autorin viele Personen, Handlungen und Motive in das Geschehen verstrickt, hält die Spannung an. Die Protagonisten dieses Buches sind Menschen mit all ihren Ecken und Kanten, und das macht diese Geschichte so authentisch.
Die Autorin lockt den Leser immer wieder auf die falsche Fährte und erst zum Schluss kann man den Täter und seine Motive erfahren. Die vielen Handlungsstränge wurden gekonnt miteinander verknüpft und am Ende bleiben keine Fragen mehr offen.
„Tiefe Wunden“ war mein erster Roman von Nele Neuhaus. Aber der Roman hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt ihre weiteren Bücher mit dem sympathischen Ermittlerduo lesen möchte.

