Leser-Rezension zu „Tiefe Wunden” von Nele Neuhaus
am 30.10.2011
Wer ist in der Lage, einen 92-jährigen Mann mit einem Genickschuss zu töten? Vor dieser Frage stehen Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff mit ihrem Team. Auf insgesamt 475 Seiten setzen sie alles daran, um den Mord aufzuklären. Oder besser, die Morde aufzuklären, denn es bleibt nicht bei einem. Am Ende des Buches sind um die fünfzehn Opfer zu beklagen und gleich mehreren Tätern zuzusortieren.
In dem Roman "Tiefe Wunden" von Nele Neuhaus wimmelt es geradezu von Verdächtigen. Besonders anfangs fiel es mir nicht immer leicht, die vielen unterschiedlichen Personen auseinanderzuhalten, was sich im Laufe der Geschichte besserte, weil nach und nach einige von ihnen aus dem Leben schieden.
Der Schreibstil von Nele Neuhaus erzeugt Spannung. Sie liefert die Informationen, die am Ender zu einem großen Puzzle zusammengesetzt werden, in homöopathisch kleinen Dosen. Geschickt legt sie falsche Fährten, so dass am Ende bei der Aufklärung immer noch Überraschungsmomente bleiben.
Insgesamt habe ich den Kriminalroman mit großem Vergnügen gelesen. Trotzdem möchte ich auch auf ein paar Schwachstellen hinweisen. Da ist zum einen die Vielzahl der handelnden Personen. Weniger wäre für meinen Geschmack mehr gewesen. Der historische Hintergrund in Ostpreußen wirkt auf mich zum Teil überkonzentriert.
Ein paar Handlungsstränge werden in diesem Band nicht zu Ende erzählt.Es würde allerdings zu weit gehen, diese hier ausführlich darzustellen. Außerdem zucke ich immer zusammen, wenn gängige Klischee wie z.B. das der "kaltherzigen Politikerin" bereitwillig bedient werden. Den ganzen Strang hätte man sich meiner Meinung nach sparen können.
Mein Fazit: Ein spannender Krimi mit verzeihlichen Schwächen . Habe mir sofort Band 1 gekauft.
PS: Warum etikettiert der Verlag den Roman als "Taunus-Krimi"? Die Landschaft spielt im Roman keine Rolle.

