Rezension verfasst vor 1 Jahr
(10)
Auch dieser neunte Roman aus der Feder von Nicci French, dem Autorenehepaar Nicci Gerard und Sean French, der 2006 im englischen Original erschien, hat mich wieder vollauf begeistert.
Nina Landry, alleinstehende Mutter von zwei Kindern, dem elfjährigen Jackson und der fünfzehnjährigen Charlie, hat Geburtstag. Es ist kurz vor Weihnachten und gemeinsam wollen die drei noch an diesem Tag nach Florida in die Weihnachtsferien fliegen. Sie und die Kiddies hatten sich auch schon darauf gefreut. - Aber dieser Tag läuft von Anfang an nicht wie geplant. Erst klappert was am Auto und als Nina nach Hause kommt, ist die Tochter, die am Vorabend zu einer Übernachtungsparty noch war, immer noch nicht daheim. Inzwischen ist es elf Uhr Vormittags und die Zeit wird langsam knapp. Nina wird langsam hektisch. Deshalb ruft sie bei der Freundin an, ob Charlie noch da ist. Aber: sie ist schon seit über einer Stunde weg, müsste längst da sein. Zum Sich-Sorgen-Machen, kommt sie aber nicht. Plötzlich stehen ein Dutzend Menschen vor ihrer Tür und wollen Einlass, Überraschungsparty! Organisiert hat diese, wie Nina erfährt, Charlie. Wer fehlt, ist aber genau Charlie. - Kurz nach halb 12 kommt es dann auch noch zu einem Unfall auf der Party. Nina ist genervt. Und sie beginnt sich langsam zu fragen, wo ihre Tochter abbleibt. Immer mehr steigt ein ungutes Gefühl in ihr auf. Sie ruft noch vor zwölf Uhr bei der polizei an und meldet sie als vermisst. - Die Polizei sieht keinen Grund besonders aktiv zu werden, ist Charlie doch erst knapp zwei Stunden verschwunden. Nina begibt sich selber auf die Suche nach dem Teenager.
Und bei dieser Suche stößt sie auf immer mehr fragwürdiges und ihr bislang unbekanntes rund um ihre Tochter. Immer stärker wird auch ihre Angst um Charlie und dann findet sie plötzlich die Leiche eines anderen Teenagers. Nina sucht weiter und weiter, die Angst im Nacken, acht Stunden lang und dann ...
Crescendoartig steigt die Spannung in diesem Psychothriller. Je länger das Mädchen verschwunden ist, desto rasanter wird das Handlungstempo. Man fühlt mit Nina, der Ich-Erzählerin, mit. Als Leser taucht man ein in die Gedanken- und Gefühlswelt dieser Frau, spürt in jedem Augenblick regelrecht, was in ihr vorgeht. Eine Mutter, die um ihr Kind bangt, die bis an den Rand des Wahns dabei gerät, die nichts anderes mehr im Sinn hat, als ihre Tochter zu finden.
Nicci French haben den Roman im Sekundenstil geschrieben. Der Leser erlebt de facto jede Sekunde der acht Stunden mit Nina mit. Alles ist bis ins Detail beschrieben. Die Erzählzeit und die erzählte Zeit, also die Zeit, die in dem Buch dargestellt wird, sind identisch. Acht Stunden. Acht Stunden Angst. 350 Seiten lang.
Das Aus-der-Hand-legen des Buches fällt schwer. Nicht nur aufgrund der zunehmenden Spannung, sondern auch auf Grund des Aufbaus. Es gibt keine Kapitel und nur ganz selten Textumbrüche, also Stellen, wo auch optisch der Text unterbrochen wird. Der erste derartige Umbruch ist erst auf Seite 89 zu finden. - Aber: Nicci French gelingt es, dass es nicht stört, denn man will eh immer wissen, wie es weitergeht.
Einfach super, was da Nicci French dem Leser anbieten.
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