Leser-Rezension zu „Totenbraut” von Nina Blazon
am 3.02.2012
Jasna erzählt auf 426 Seiten die Geschehnisse ihres letzten Jahres. Der Leser lernt zum einen eine Dorfgemeinschaft kennen, die ihre Mitmenschen aufgrund Ihres Glaubens, Ihrer Herkunft oder ihrer Vergangenheit ausgrenzt. Und eine Familie, in der keine Person die zu sein scheint, für die er sich wirklich ausgibt. Zusammen mit Jasna kommt der Leser den Geheimnissen ihrer neuen Familie auf die Spur.
Anbei ein Zitat, welches sehr gut die Stimmung des Romans vermittelt:
„Auf diesem Gut gibt es so viele Wahrheiten wie Kammern“
, sagte ich bitter.
„In welche ich auch gehe, jede sieht anders aus. Ist das jetzt die Wahrheit? Die endgültige?“
(Nina Blazon, Totenbraut, Seite 282)
Es gelingt Fr. Blazon den Leser auf eine Zeitreise zu entführen in das Jahr 1731. Fremdartig waren mir sofort die ungewöhnlichen Bräuche und Sitten der Zeit, in der Jasna als orthodoxe Gläubige lebt. Es werden zum Beispiel Tote als Beerdigungsbrauch mit Fischernetzen bedeckt, um diese zu hindern, in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Die Ängste und das naive Denken dieser Zeit sind teils sehr grotesk, allerdings darf man nicht vergessen, dass den Menschen nur ein Bruchteil des heutigen Wissens zur Verfügung stand. Fr. Blazon orientierte sich bei den Handlungen im Roman an zeitgenössischen Untersuchungsberichten und nutzt den damaligen Volksglauben an Vampire, Werwölfe und Hexen.
Während des Romans kommt es zu unerwarteten Wendungen die den Leser immer wieder überraschen, die Spannung bleibt konstant erhalten. Der Roman hat mir insgesamt sehr gut gefallen und hat mein Interesse an weiteren Büchern der Autorin geweckt.

