Klappentext:
Es gibt Augenblicke im Leben, die lassen das Herz stillstehen und das Blut kalt werden. Heute weiß ich, es ist der Kuss des Todes, der uns in jenen Sekunden streift und uns alle Wärme nimmt. Das fremde Gesicht, in das ich damals blickt, war von der eisigen Schönheit des Todes und von der Hässlichkeit eines Leidens, tiefer und schmerzhafter, als ein Lebender ertragen könnte. Ich sah erloschene Augen und totenfahle Haut. Ich sah schwarze Zähne. Und Lippen, die kaum mehr vorhanden waren. Ich roch Taubenfedern und Regen und sah, wie die Gestalt nach meiner ausgestreckten Hand griff.
Meine Meinung:
Von Anfang an war ich auf die Worte gebannt, die Nina Blazon niedergeschrieben hat und mich darauf hoffen ließen, dass "Totenbraut" eine unglaublich tolle Geschichte wird. In der ersten Hälfte war ich absolut begeistert! Die Autorin hat eine mutige Protagonistin geschaffen, zu einer Zeit, in der es eigentlich keine mutige, sondern devote und kuschende Frau geben müsse. Dieser kleine Hoffnungsschimmer, namens Jasna, habe ich direkt ins Herz geschlossen. Mitunter natürlich wegen ihrem unsagbar traurigen Schicksal, als Braut verkauft worden zu sein.
Die stets melancholische Stimmung drückte den Lesegenuss keineswegs, es passte einfach zur Geschichte. Neben den persönlichen Schilderungen der Protagonistin zur ihrem Schicksal fand ich es super interessant, dass Blazon dem Leser fast schon spielend und unauffällig einige Bräuche des Serbien im 17. Jahrhundert nahe zu bringen. Wie man sich zum Beispiel verhält, wenn man einen Toten begraben muss oder wie eine Hochzeit zu zelebrieren ist. Die ganzen Eindrücke, der Lesegenuss, die Geschichte, die Protagonistin, die zart aufkeimende Liebesgeschichte - alles hat gepasst, bis zur Hälfte. Danach war ich nur noch irritiert, verwirrt und schlug Seite um Seite mit einem großen Fragezeichen um.
Wie es in einigen Geschichten normal ist, gilt auch in "Totenbraut" ein großes Geheimnis zu bewahren. Alle wissen bescheid, nur natürlich Jasna, die Protagonistin, nicht. Daher begibt sie sich auf die Suche, versucht sich zu erklären, wer mit ihr ein falsches Spiel spielt, wieso ausgerechnet sie und wer ist überhaupt der Böse hinter dem ganzen. Die Fragen sind simpel. Aber geklärt werden sie nicht simpel. Jasna verdächtigt zunächst Person A, dann Person B, um doch eher davon überzeugt zu sein, dass Person A ihr böses will. Wobei vielleicht will man ihr nichts böses, sondern jemand anderem, nur sie ist involviert. Aber wem will man dann etwas? Ihrem Schwiegervater, ihrem ungewollten Ehemann, Nema, die Haushälterin? Nema ist auch so komisch in letzter Zeit, vielleicht will sie Jasna an den Kragen. So in etwa ging das ganze hin und her. Zeitweilen musste ich das Buch weglegen und meine Gedanken sortieren und mir klar werden, wer wirklich noch mit den wichtigen Dingen zu tun hat, da auch viele neue Namen hinzukamen, die ebenfalls verarbeitet werden wollten.
Auch gen Ende, als alles erklärt/aufgeklärt wird und tatsächlich auch logisch klingt, bleibt bei mir dieser "Ach, schau mal einer an"-Moment aus. Ich war eher zufrieden, dass die Verwirrungen ein Ende haben und ich die Eindrücke verarbeiten konnte. Das Buch habe ich vor zwei Tagen beendet und habe bis heute Mittag gegrübelt, ob es auch an mir liegen kann, dass ich so durcheinander war. Vielleicht habe ich den roten Faden verloren und fand keinen Anschluss mehr in und an die Geschichte. Jedoch muss ich sagen, dass ich weiterhin so durcheinander bin, weil sich mir manche Dinge einfach nicht logisch erschließen. Daher bleibe ich dabei, dass mich gerade die zweite Hälfte der Geschichte durcheinander gebracht hat.
Fazit:
So vielversprechend das Buch begonnen hat, so veriwirrt war ich zum Schluss. Wer hier eine tiefgründige, stark ausgearbeitete Liebesgeschichte erwartet, die vor Spannung nur so strotzt, ist hier an der falschen Stelle, leider. Anfangs war ich wirklich der Meinung, dass "Totenbraut" viel Potential hat, in meine Top Ten Bücher des Jahres 2011 zu gelangen, aber ab der zweiten Hälfte hat das Lesen leider nicht mehr so unbedingt Spaß gemacht. Lasst euch aber gesagt sein, dass es bei euch sicherlich anders sein.