Ein Buch, das nicht die Druckerschwärze wert ist, mit der es zwischen die Buchdeckel gepresst wurde – das gibt’s selten. Ich habe eins gefunden:
DIE ERBEN DES MEDICUS von Noah Gordon. Angekündigt als nahtlose Fortsetzung der gerühmten Cole-Saga (Der Medicus, Der Schamane) lässt sich über diesen letzten Teil nur eines sagen: Er ist – wahrhaftig – das Letzte ! Verriss folgt !
Die unerträgliche Nichtigkeit des Nichts...
KURZE ÜBERSICHT
„Die Erben des Medicus“ ist der dritte Teil einer Trilogie über die (fiktive) Ärztedynastie der Coles, mit der Noah Gordon eine wahre Bestseller-Serie hingelegt hat. Zum besseren Verständnis für jene, die die Coles nicht kennen, ein ganz kurzer Überblick:
Teil 1: DER MEDICUS
_Im 11. Jahrhundert begründet der Londoner Waisenjunge Rob Jeremy Cole (dieser Name wird ab sofort vererbt!) die Dynastie. Gesegnet mit der „Gabe“, allein durch Handauflegen zu erkennen, ob ein Patient leben oder sterben wird und wie schlimm es um ihn steht, geht er in die Lehre eines Baders, beherrscht schnell die – damals rudimentären – Grundkenntnisse der Medizin. Seiner Zeit weit voraus bereist der junge Rob J. Cole Persien, um seine Kenntnisse zu erweitern, nicht nur Symptome von Krankheiten zu behandeln, sondern ihre Ursachen zu erkennen.
Großartiger Roman !_
NATURTRUEB’S Urteil: 5 Sterne
Teil 2: DER SCHAMANE
_Die Coles sind inzwischen umgezogen. Nach Amerika. Mitte des 19. Jahrhunderts ist es nun an Rob J. Cole (kommt der Name bekannt vor?), einem Nachfahren des legendären Medicus, sein Glück zu machen. Er versucht es als Schafzüchter und Arzt in Massachusetts. Bei den Indianern lernt er die heilenden Kräfte der Natur kennen und anzuwenden. Auch Rob J. Cole besitzt „die Gabe“…sie wird offenbar vererbt.
Guter Roman !_
NATURTRUEB’S Urteil: 4 ½ Sterne !_
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Teil 3: DIE ERBEN DES MEDICUS
Da wären wir also – beim letzten Teil der Cole-Saga, dem Hauptthema dieses Berichtes. Schon auf Seite 1 stößt der geneigte Leser auf ein erstes Problem:
Die Hauptperson des Romans ist weiblich, kann also nicht Robert J. Cole heißen. Gut, dass Noah Gordon nicht einfallslos ist. Geschickt löst er das Problem und nennt sie Roberta J. Cole, und schon ist alles wieder um Lot.
Klar: Roberta J Cole ist … Ärztin. Und sie ist es HEUTE, im Amerika der Gegenwart.
Doch – wie schon ihre Vorfahren – hat sie es nicht leicht. Zwar muss sie sich nicht – wie ihre Ahnen – mit Scharlatanen oder Indianer-Hassern herumschlagen, auch ist ihr Ärzteköfferchen mit Sicherheit besser ausgestattet als das des Medicus oder des Schamanen, doch dafür plagen sie andere Nöte: Ihre Ehe ist kaputt. Und Ihre Karriere in einem Bostoner Krankenhaus scheitert an mangelndem Vitamin „B“.
Des Großstadtlebens müde zieht Roberta J. Cole auf’s Land, in die Berkshire Hills/ Massachusetts. Dort eröffnet sie eine kleine Praxis, um als „Landärztin“ (natürlich mit der „Gabe“ gesegnet) Segen zu stiften, die arme Landbevölkerung gesund zu machen.
WORUM GEHT’S NOCH ?
Um Robertas Liebe zu einem häretischen Alkoholiker, ihre ungeliebte Nebentätigkeit in einer Abtreibungsklinik und nette Bauern.
Zusätzlich zitiere ich mal den Klappentext des Buches, der es genau trifft: Um „unverfälschte Natur“, den „ewigen Kreislauf der Jahreszeiten“ und die „einfachen Menschen und ihre Nöte“ geht’s nämlich auch noch !
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*FAQ AN DEN REZENSENTEN (NATURTRUEB) *
Frage: Ist das denn nicht spannend?
Antwort: Nein, ist es nicht!
Frage: Warum schreibst Du nicht mehr zum Inhalt?
Antwort: Weil das leider alles ist!
Frage: Könnten nicht wenigstens stressgeplagte Großstadt-Neurotiker dieses Buch lieben?
Antwort: Wenn das Fällen eines Baumes und die Beschreibung der Behandlung von Kälber-Geburten Dinge sind, die einen Großstadt-Neurotiker glücklich in die heile Welt des Landlebens abtauchen lassen, dann „ja“!
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WAS IST GUT AN DIESEM BUCH?
Nun, formulieren wir es diplomatisch: Es stand – wie seine Vorgänger – wochenlang ganz oben in der Bestseller-Liste. Es muss sich also gut verkauft haben. Und das ist gut für den Autoren und seinen Verlag.
Und: Das Buch hat – obwohl eigentlich nichts passiert – stattliche 400 Seiten. Das ist eine Leistung des Autors, die lobenswert ist. Zumal er auch noch viel mehr hätte schreiben können. Das währe dann allerdings in der nächsten Rubrik aufgeführt worden. In der Rubrik:
WAS IST SCHLECHT AN DIESEM BUCH?
Oh… das kurz zu sagen ist schon deutlich schwerer! Doch ich versuche es mit einem einzigen Satz:
Noah Gordon schafft es, ein Ganzes Buch mit „Nichts“ zu füllen, denn dem dritten Teil der Cole-Saga fehlt es ganz einfach an Inhalt.
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FAZIT
Was soll ich noch dazu sagen? Viel lieber möchte er etwas fragen: Warum diese Fortsetzung?
Warum ein Buch über eine Landärztin, die wir beim Düngen des Gartens („Pisse macht den Kohl grün“), beim Sammeln von Herz-Steinen (herzförmige Steine) und beim Behandeln von gebrochenen Beinen begleiten müssen? Selbst die eingefügte Thematik „Abtreibung“ wird nur fadenscheinig beleuchtet und irgendwann einfach wieder „ausgeblendet“.
Ein Buch wie ein Cheeseburger: Man hat gekaut, seinen Magen gefüllt und weiß dennoch nicht, ob man nun satt ist, oder nicht. Ein unbefriedigendes Gefühl.
Ich habe mich – nach abgeschlossener Lektüre – tatsächlich gefragt, ob mir irgendetwas entgangen ist in diesem Buch. Der Clou, der Haken, das besondere Etwas. Nach erneutem Durchblättern musste ich feststellen: Nein, nichts ist mir entgangen. Dieses Buch ist schlicht und ergreifend handlungsarm. Keinerlei Höhen, allerdings etliche Tiefen.
Enttäuschender Roman!
*NATURTRUEB’s Urteil: Finger weg, lohnt nicht. *
Noah Gordon ist bei diesem Buch ganz einfach der Saft ausgegangen. Die Geschichte der Coles war schon vorher zu Ende. Dieses Buch ist sozusagen die unerwartete 13. Runde eines Boxkampfes, dessen Sieger bereits verkündet wurde. Belanglos und unnötig. Schade!