Nach dem Tod ihres kleinen Bruders hat Luisa jeglichen Lebensmut verloren, selbst der Umzug in das anonyme Berlin konnte ihr nicht wieder auf die Beine helfen - sie beschließt ihrem Leben ein Ende zu setzen und trifft dabei auf den geheimnsivollen Thursen. Bald schon erfährt sie, was er ist und wie er lebt. Seine Freunde, die Verborgenen, sind Werwölfe, die sich verwandeln um ihren Schmerz zu vergessen. Luisa taucht immer tiefer in ihre Welt ein, bis sie feststellen muss, dass sie auch hier nicht glücklich werden kann.
Die Geschichte um Luisa ist zum einen sehr herzergreifend und das Schicksal, das sie hart getroffen hat, wünscht man keinem anderen. Andererseits ist mir das Ganze an manchen Stellen einfach zu depressiv, sogar so sehr, dass ich manchmal einfach nur noch denken konnte "jetzt mach bitte deinem Leben ein Ende, dass ich meine Ruhe vor dir habe!". Diese extrem düstere und depressive Stimmung, die im übrigen hauptsächlich von Luisa ausgeht, hat es mir sehr schwer gemacht, mich mit der Protagonistin anzufreunden, zumal sie einen sehr dickköpfigen Charakter hat.
Trotzdem muss man sagen, dass die düstere Stimmung auch etwas spezielles ist, was so in anderen Jugendbüchern eher weniger vorkommt. Nora Melling hat einen ganz besonderen Schreibstil, der durch kurze, prägnante Sätze gekennzeichnet ist und dem Leser so einen sehr dichten Lesefluss ermöglicht - wenn man einmal in der Geschichte drin ist, kommt man so schnell nicht mehr davon los.
Die Romanze um Luisa und Thursen, die sich nach und nach entwickelt, ist hingegen von der typischen Sorte - mal vertragen sie sich nicht, dann haben sie sich wieder ganz doll lieb. Das war mir leider viel zu klischeehaft und ist schon zu oft dagewesen, wobei man natürlich zugeben muss, dass diese Art und Weise der Romanze bisher immer ein Quotengarant war!
Leider ist die Geschichte über große Strecken recht öde, es gibt einige Abschnitte, da passiert rein gar nichts, was irgendwie wichtig für die Story wäre, sondern plätschert eben nur so vor sich hin. Das ist auf Dauer sehr ermüdend.
Was mir, trotz einiger nerviger Passagen, sehr gut gefallen hat, waren letztlich doch die Charaktere. Trotz der depressiven Stimmung, sind sie allesamt sehr tiefgehend ausgearbeitet und vermitteln einen durchaus lebhaften Eindruck von einem Jugendlichen bzw. einem Mensch in so einer Situation.
Für mich hat dieses Buch neben der Fantasy und der Romantik auch eine tiefere Bedeutung: Die "Verborgenen" leben mit ihren Problemen wie Aussätzige der Gesellschaft völlig isoliert im Wald, vor allem deshalb, weil sich vorher niemand ihrer Probleme angenommen hat und diese reichen von Mobbing bishin zu Selbstmord in der Familie.
Die an einigen Stellen übertrieben düstere Stimmung und die zähen Abschnitte der Geschichte haben mir das Buch leider ein wenig verdorben, nichtsdestotrotz handelt es sich um solide und jugendliche Fantasy gewürzt mit Romantik.