Leser-Rezension zu „Einer von vielen” von Norbert Zähringer
am 1.12.2010
Zwei Männer werden am selben Tag geboren, einer in Amerika, der andere in Deutschland. Die Handlung springt fortan hin und her über den Atlantik. Folgt mal Frimm, nach dessen Geburt in der Mojawe-Wüste nach Hollywood, mal Siggi, dessen Vater als glühender Anhänger der Nazis von einem geheimnisvollen Serienmörder ermordet wird. Ein Berliner Polizist bleibt dem Killer jahrzehntelang auf der Spur.
Ein Piratenfilm, der in einem Swimming-Pool in Hollywood gedreht wurde, taucht immer wieder auf. Frimm reinigt diesen Pool, Siggi sieht den Film im Kino. Während des Zweiten Weltkrieges wird Frimm mit dem Hauptdarsteller des Films, einem abgewrackten Stummfilmhelden, nach Deutschland reisen, um Spielszenen für die Wochenschauen zu drehen. Sie werden abgeschossen und müssen sich in den letzten Kriegstagen durch Berlin schlagen. Bei ihnen der Armenier Bebo, der an Bord eines Flüchtlingsschiff aus Deutschland entkam, in Los Angeles zufällig auf Frimm traf und mit ihm nach Berlin zurückkehrte. Spätestens bei der Ankunft in Berlin schlägt der Ton des Buches um und wird schärfer, wenn Zähringer in drastischen Szenen die Absurdität des Krieges beschreibt.
Zähringer spinnt ein feines Netz aus Haupt- und Nebenfiguren, die auf vielfältigste Art miteinander verbunden sind und durch eine schier unglaubliche Abfolge von Zufällen. Über Wahrscheinlichkeit sollte man besser nicht spekulieren und stattdessen die ironischen Wendungen genießen. Der Roman hat keine stringente Handlung und der Verlauf wirkt völlig willkürlich. Er ist unvorhersehbar und könnte sich jeder Zeit in jede Richtung entwickeln. Gerade dieser Umstand macht das Buch so unglaublich fesselnd und am Ende angelangt, hätte man diesen Geschichten und diesem Autor gerne noch länger zugehört.
Einer von vielen ist ein postmoderner Roman auf hohem sprachlichem Niveau und mit einer hochkonzentrierten Handlung, die einen ebensolchen Leser erfordert. Humorvoll, verspielt, abenteuerlich und fernab der gängigen Konventionen und Lesegewohnheiten. Zähringers erste Romane „So“ und „Als ich schlief“ haben mir schon sehr gut gefallen, aber sein drittes Buch ist sein bisheriges Meisterwerk. Eine perfekte Mischung aus Thomas Pynchon und dem frühen T.C. Boyle. Für mich einer der besten Romane des Jahres 2009.

