Leser-Rezension zu „Vierzehn Knoten bis Greenwich” von Olli Jalonen
am 22.05.2011
Wo mir in letzter Zeit so vieles zu schnell geht, kam mir dieses Buch gerade recht. Denn es ist langsam.
Langsam ist dieses Buch, langsam will es gelesen werden, und langsam muss man auch einsteigen, sonst stolpert man im Perspektivendschungel über die eigenen Füße. Dabei lässt sich die Handlung in einem Satz zusammenfassen: Eine kleine Gruppe von Menschen umrundet innerhalb eines Jahres und im Rahmen eines Wettbewerbs mit möglichst einfachen Mitteln entlang des Nullmeridians die Welt.
Olli Jalonen hat aus dieser Idee einen 460 Seiten starken Roman gemacht, der durch die – in ihrem Wechsel zunächst gewöhnungsbedürftigen, später selbstverständlichen – Perspektiven der TeilnehmerInnen an diesem unglaublichen Trip erzählt wird. Dabei stehen, trotz großer Kulisse, weniger die äußeren Ereignisse der Reise im Vordergrund als die inneren. Denn obwohl es sowohl für die Reisenden wie auch für die LeserInnen aufregend ist, wenn Luftschiffe bestiegen, Eismeere durchkreuzt, Stürme bestanden, Berge und Urwälder bezwungen werden, hängt doch letztlich alles an der Verfassung der Menschen und ihrer Beziehungen untereinander. Zu Beginn sind zwei davon Geschwister und zwei ein Liebespaar. Am Ende ... ist alles anders.
Dieser Roman ist schön, etwas bedächtig, traurig, ehrlich und voll mit tiefen Themen, ohne darin zu versacken – dank der äußeren Handlung konnte dieses Kunststück gelingen. Stefan Moster, der Übersetzer, ist selbst Autor und hat den Roman hervorragend ins Deutsche hineininterpretiert. Olli Jalonen hat das auch mehr als verdient – er ist in Finnland ein bedeutender Autor, von dem nun endlich ein Roman auf Deutsch erschienen ist. Ich hoffe, das ist noch mit vielen seiner Bücher der Fall.

