Inhalt
Das Gespenst von Canterville ist ein gruseliges Gespenst, das auf dem gleichnamigen Schloss umherspukt und dessen gespenstige Aufgabe – getreu dem Gespenstercodex – es ist, armen Menschen, die in seinem Spukkreis leben, zu Tode zu erschrecken. Umso ärgerlicher ist es dann für das bedauernswerte Gespenst, dass es von der amerikanischen Familie Otis, die das Schloss von seinem ehemaligen Besitzer erwarb, anscheinend nicht wirklich ernst genommen wird.
Mr. und Mrs. Otis bieten ihm Schmieröl für seine quietschende Ketten an, da sie sich sondt in ihrer Nachtruhe gestört sehen, der ältere Sohn stellt ihm nach und die beiden jüngeren Knaben ärgern den canterville'schen Geist mit allerlei Scherzen, sodass das arme Gespenst sich schon vor der Familie zu ängstigen beginnt. Nur die junge Tochter der Familie scheint Mitleid für ihn zu empfinden.
In dem Märchen Der Glückliche Prinz findet ein Taubenmännchen eine Statue eines Prinzens, die sprechen kann und ihm von ihren Leid klagt. So lebte der Prinz zu Lebzeiten immer glücklich in seinem Schloss – nie die Außenwelt betretend, weshalb er immer dachte, dass es außerhalb des Schlosses genauso unbeschwert zuginge, wie er es kannte. Nachdem ihm nach seinem Tode aber diese Statue gegossen und in der Stadt aufgestellt wurde, in der sein Geist weiterlebte, sah er das Unglück der Menschen. Nun bittet er das Täubchen, ihm behilflich zu sein und den notleidenden Menschen ihr Unglück zu lindern.
Auch Die Nachtigall und die Rose ist ein kleines Märchen, in dem eine Nachtigall das Klagen eines armen Studenten vernimmt, der betrübt darüber ist, dass das Mädchen, das er verehrt, nur mit ihm tanzen möchte, wenn er ihr eine schöne rote Rose bringen kann. Da er aber keine rote Rose finden kann, ist er sehr unglücklich darüber. Die Nachtigall, berührt von der Liebe, entschließt sich dazu, dem jungen Mann zu helfen, doch der Rosenstrauch, der ihr anbietet, eine rote Rose blühen zu lassen, erfordert ein großes Opfer...
In einem Dorf lebte einst Der selbstsüchtige Riese, der einen wunderschönen Garten sein Eigen nennen durfte. Da die Dorfkinder keinen Platz im Dorf zum Spielen fanden, schlichen sie sich immer heimlich in des Riesens Garten, der das gar nicht gern sah, weshalb er um seinen Garten eine hohe Mauer zieht und den Kindern fortan verbietet, seinen Garten zu betreten.
Erst als der strenge Winter, der schon das ganze Dorf verlassen hatte, immer noch seinen Garten in seiner eisigen Hand hält, beginnt der Riese zu begreifen, was die Kinder in seinen Garten brachten.
In der letzten Erzählung begleiten wir den jungen Adligen Arthur Savile auf seinem Wege, ein Verbrechen zu verhindern – indem er ein anderes begeht. Angetrieben durch die verhängnisvolle Prophezeiung eines Chiromantisten, dass Savile seine Verlobte nach der Hochzeit töten wird, versucht er dies zu umgehen, indem er einen anderen Menschen anstelle seiner Liebe tötet. Doch alle seine Attentate scheitern...
Meine Meinung
Ich halte Oscar Wilde für einen begnadeten Schriftsteller, dessen Erzählungen, auch wenn sie kurz sein mögen, wie „Der selbstsüchtige Riese''', sehr pointiert sind, wenngleich er einen wunderbar ausschmückenden Schreibstil hat. Seine Geschichten strotzen vor Bildhaftigkeiten und ich als Leser habe keinerlei Schwierigkeiten mir die Szenerien lebhaft vorzustellen. Und genau diese bildliche Eindrücklichkeit, die Wildes Texte schaffen, bewirken auch, dass man mit den Figuren in jeder Form mitfühlen kann und das die Geschichten bewegen und nachdenklich stimmen.
Ich jedenfalls muss berichten, dass mich die Geschichten zu Tränen gerührt haben – seien es Tränen des Lachens, aber auch Tränen der Trauer. Ich finde, es spricht in meinen Augen für eine Erzählung, wenn sie mich derartig bewegt.
Auch seine geniale Verbindung aus Humor, wenn nicht gar Ironie und Ernsthaftigkeit, wie wir sie in Das Gespenst von Canterville und Lord Arthur Saviles Verbrechen finden, macht die Geschichten zu einem kleinen Leseerlebnis. Es ist wundervoll und rührend zu lesen, wie zum Beispiel das arme Gespenst, das noch niemals ein Gespenst gesehen hatte, beim Anblick des von der Familie Otis zusammengestellten Monstrums aus Besen und Lumpen, furchtbar erschrocken war und einen Nervenschock erlitt.
Dabei weicht Wilde aber nie von seinem korrekten Schreibstil ab und es wird nie lächerlich.
Seine drei Märchen, die man hier im Mittelteil des Büchleins platziert findet, bestechen durch einen wunderschönen, blumigen und ausschmückenden Schreibstil, sowie durch eine hohe Emotionalität. Sie sind einfach zu lesen und bewegen in ganz besonderem Maße die Gemüter, was mir sehr gut gefiel.
Also, summa summarum eine rundum gelungene, kleine Zusammenstellung aus den Werken des grandiosen Schriftstellers – bewegend, amüsierend und nachdenklich stimmend.