Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Ein erstaunliches, kleines Buch. Es kommt ganz dünn und unscheinbar daher und hält doch einiges an Überraschungen bereit und beschäftigt mich jetzt im Nachhinein auch noch. In der Novelle geht es um die Lebensgeschichte eines Vaters dessen Tochter, musikalisch hochbegabt, Geige spielen lernt, sich dadurch immer mehr von ihrem Vater entfernt und dann aber in ein psychisches Loch fällt. Der Vater erzählt einem Fremden seine Geschichte, der Fremde hat aber mit dem Thema "Vater-Kind"-Beziehung und überhaupt Gefühle zeigen selber so seine Probleme. Die Tochter lernt mit 10 Jahren, nachdem sie sehr unter dem Tod ihrer Mutter gelitten hat, Geige spielen und entfernt sich durch ihre Bindung zur Musik immer mehr von ihrem Vater. Ihr Vater kann aber seine Gefühle, seine Verletztlichkeit, seine Trauer weil sie sich entfremden, nicht ausdrücken, er versucht seine Tochter wieder zu erreichen, indem er ein Verbrechen begeht, indem er Geld veruntreut und seiner Tochter eine super-wertvolle Geige schenkt. In geistiger Umnachtung zerstört Lea die Geige auch noch und wird dann in ein Hospiz eingeliefert, wo sie 2 Jahre in Abgeschiedenheit, auch vor ihrem Vater, verbringt. Der Vater muss für sein Verbrechen büßen, sagt aber Lea nichts - als sie es zufällig erfhärt, bringt sie sich um. Es geht noch weiter, so ausführlich wollte ich eigentlich gar nicht auf die Geschichte eingehen.
Ich finde, es ist ein sehr gelungenes Buch, wobei, dafür daß der Vater seine Gefühle seiner Tochter gegenüber nicht ausdrücken konnte, kann er sie dem Fremden gegenüber sehr gut rüberbringen. Etwas unglaubwürdig. Aber die Thematik kann ich sehr gut nachvollziehen - Eltern haben zu ihren Kindern die engste Beziehung, die es überhaupt geben kann. Dann werden die Kinder selbständig und werden in gewisser Weise den Eltern auch fremd. Das ist doch ein ganz normaler Ablösungsprozess, vor allem in der Pubertät. Die Eltern müssen hier, genauso wie die Kinder ihnen ein Urvertrauen entgegenbringen, den Kindern ebenfalls vertrauen, daß es wieder Zeiten gibt in denen sie sich näher kommen, in denen das Kind sich selbst gefunden hat und nun wieder auf die Eltern zugehen kann. In dem Buch fand ich wunderbar beschrieben, mit welcher Verzweiflung der Vater versucht hat, Lea wieder für sich zu gewinnen und ihrem geistigen Verfall entgegen zu wirken.
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