Eine faszinierende Reise durch Zeit und Raum mit wunderbaren Einblicken in eine interessante Stadt. Mit historischen Fakten, über die ich mir bis dato wenig Gedanken gemacht habe (die Diktatur in Portugal), mit vielen philosophischen Gedankenexperimenten, die viel Freiraum für den Leser lassen und mit Themen, denen sich jeder Mensch in unserem Kulturkreis irgendwann einmal stellen muss.
Dazu eine spannende Schnitzeljagd auf den Spuren eines Mannes, der jede Menge Anlass zur Kritik bietet, und letztendlich eine Hauptfigur, die eine gut nachvollziehbare innere Wandlung durchmacht, auch wenn der Auslöser dafür etwas skurril ist.
Ich habe die Art, aus so vielen Quellen zu schöpfen (Briefe, Aufzeichnungen, Bücher...), sehr erfrischend gefunden, ein Stilmittel, das es einem ermöglicht, auch die Gedanken längst verstrobener Personen in das Gesamtbild miteinzubeziehen.
Mich haben viele Themen angesprochen, aber vor allem eines. Diese Erkenntnis, die einen trifft, wie ein Blitz, dass man gewisse Dinge in seinem Leben nicht mehr tun wird. Ich will nicht sagen, dass ein junger Mensch dem Buch nichts abgewinnen kann, ganz im Gegenteil! Aber wenn man die Lebensmitte bereits überschritten hat, wie ja auch die Protagonisten, kann man gewissen Ängste und Gefühle wohl sehr direkt nachovllziehen. "Und so könne man die Angst vor dem Tod beschreiben als die Angst, nicht der werden zu können, auf den hin man sich angelegt hat." (Seite 243)
Ein wunderbares Buch, in dem ich keine Längen finden konnte, das ich bis zum Schluss gern gelesen und danach noch ein paar Minuten in den Händen gehalten habe, um mich irgendwie davon zu verabschieden. Klingt komisch, aber ich denke, jeder leidenschaftliche Leser kennt das Gefühl, wenn er aus einer literarischen Welt auftauchen und in eine andere wechseln muss.