Rezension verfasst vor 1 Jahr
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New York, Silvesterabend: Die kleinwüchsige Terri Bridges wird von ihrem ebenfalls kleinwüchsigen Freund Oscar Banes erdrosselt aufgefunden. Banes – sogleich Hauptverdächtiger – verlangt nach der bekannten Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta, nur mit ihr will er sprechen. So begibt sich diese in den Big Apple, um dort, zusammen mit den bekannten Protagonisten Benton Wesley, Lucy Farinelli, Jamie Berger und Pete Marino, immer tiefer in den Morast von Gewalt und Intrigen zu geraten. Schnell stellt sich heraus, dass sie selbst Zielscheibe einer Verschwörung ist und im Visier eines hoch intelligenten, skrupellosen Mörders steht.
Zwei Jahre sind seit Erscheinen des letzten Romans über die wohl bekannteste Gerichtsmedizinerin der Literatur vergangen. In dieser Zeit musste sich die eingeschworene Fan-Gemeinde fragen, wie es mit Kay Scarpetta weiter gehen wird. Denn vom Glanz der ersten Bücher aus den 90`ern, der Raffinesse, der psychologischen Tiefe und der detailgetreuen pathologischen Schilderungen hatte sich die Autorin Patricia Cornwell bereits seit einiger Zeit spürbar verabschiedet.
Was also konnten die Fans von „Scarpetta“ erwarten?
Wie sich im Buch herausstellt ist Scarpetta inzwischen mit dem Profiler Benton Wesley verheiratet, ihre Nichte Lucy wirkt reifer und in sich ruhender als jemals zuvor und sogar Pete Marino hat seine latenten Ängste und Aggressionen wohl endlich in den Griff bekommen. Diese Entwicklung war nicht absehbar. Alles neu und gut also? Mitnichten!
Die Geschichte hangelt sich träge an dem altbekannten Anti-Scarpetta-Verschwörungs-Thema entlang und entwickelt nur gegen Ende der 529 Seiten einen gewissen Spannungsbogen. Und die Protagonisten schweben in einem Dauerzustand zwischen übertriebener Fürsorge und halbseidenen Selbstreflexionen. Die in den ersten Büchern so gekonnt aufgebaute Komplexität von Personen, Verbrechen und Beziehungen ist völlig verschwunden.
Patricia Cornwell hat es nicht geschafft, dem Phänomen Scarpetta wieder mehr Leben einzuhauchen. So wird sie sich schwer tun, ihre Fangemeinde zu halten.
Und für neue Fans ist „Scarpetta“ noch weniger geeignet. Denn ohne die Kenntnis der meisten Vorgänger-Romane ist vieles nicht nachvollziehbar.
Vielleicht ist es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Kay Scarpetta kann nicht neu erschaffen werden, sie ist auserzählt. Jede Serie hat irgendwann ein Ende. Mit „Scarpetta“ scheint dieses erreicht zu sein.
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