Ein HAMMERBUCH!
Rezi folgt noch.
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Es sind ein paar Tage vergangen, in denen ich den Debütroman erst einmal sacken lassen musste/wollte. Wie nun die Worte finden, für einen Eindruck, der sich kaum mit Worten beschreiben lässt!?
Hier ein Versuch:
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Zwei Fremde im Zug New York - Texas. Guy Haines, ein junger, aufsteigender Architekt und Ästhet, lernt den reichen, arbeitslosen Sohn eines Fabrikbesitzers, Charles Bruno, kennen. Bruno, aufdringlich und von einer unmöglichen Idee besessen, verwickelt Haines in ein Gespräch und bietet diesem einen unerhörten Deal an: einen Mord über Kreuz.
Er, Bruno, wolle Haines selbstsüchtige Noch-Frau Miriam ermorden, damit Haines für seine neue Freundin Anne frei wäre; als Gegenleistung solle Haines den verhassten Vater Brunos umbringen. Zwei Morde ohne Motiv. Zwei perfekte Verbrechen.
Meint Bruno.
Haines ist nicht überzeugt davon, entzieht sich Brunos Aufdringlichkeit, gerät aber später auf Grund einer für ihn unerklärlichen Faszination in den Bann Brunos und so nehmen die Dinge ihren Lauf.
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Vordergründig handelt es sich bei diesem Debüt um einen Krimi. Beginnt man zu lesen, fällt doch recht schnell auf, dass dieser erste Eindruck nicht ganz korrekt ist. Das erste Indiz: Das Platonbuch, welches Haines im Zug liegen lässt.
Viel mehr als um einen gewöhnlichen Krimi handelt es sich hier um einen vielschichtigen psychologischen Roman mit einer intensiven Charakterstudie - Gut (Haines) - Böse (Bruno), in dem die Spannung nicht zu kurz kommt, meiner Meinung nach, aber das ist sicher Geschmacksache, denn jeder definiert Spannung anders.
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Ganz besonders beeindruckt hat mich die Dichte der vorhandenen Themen: Ästhetik, Ethik, Homosexualität, Alkoholismus.
Patricia Highsmith hatte eine außerordentliche Gabe, komplexe innerliche Vorgänge in glasklaren und treffsicheren Worten darzustellen, wie ich es von anderen Schriftstellern in dieser Perfektion nicht kenne.
Bemerkenswert, dass Highsmith diesen Roman 29jährig schrieb.
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Hier ein Ausschnitt, der mir wegen des Bildes besonders gut gefällt:
Guy erwachte mit schwerem Kopf und schweißüberströmt. Er setzte sich auf und ließ einen mißtrauischen Blick durch das Zimmer wandern. Glitschige, nasse Geräusche erfüllten es, als würde eine Schlange sich über den zementierten Hof winden und mit ihrem Schuppenpanzer gegen die Mauern klatschen. Mit einemmal erkannte er das Geräusch: Es war Regen, ein sanfter, silbriger Sommerregen. Er ließ sich auf das Kissen zurücksinken und begann leise zu weinen. Er dachte an den Regen, der in schrägen Bahnen fiel und zu fragen schien: Wo ist das junge Leben, das mich braucht? Wo ist die grüne Rebe, Anne, die uns in unserer Jugend die Liebe war?, hatte er letzte Nacht auf das zerknüllte Blatt geschrieben. Der Regen wusste, wo er das junge Leben fand, das ihn brauchte, ihn erwartete. Was in den Hof fiel, war nur Überschuß. Wo ist die grüne Rebe, Anne....
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Aus dem hervorragenden Nachwort Paul Ingendaays geht der zeitliche Kontext des Werks im Leben Highsmith hervor. Laut Ingendaay ist "Zwei Fremde im Zug" eine chiffrierte Autobiografie. Bezugnehmend auf Ihre zahlreichen Tage- und Notizbücher lässt sich diese Vermutung belegen.
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Abschließend bleibt mir noch zu erwähnen, dass ich im Laufe der Geschichte, nach anfänglichem Abscheu, immer mehr in den Bann Brunos (des Bösen) geraten bin. Er ist eine böse Figur, die ich sehr mochte. Lebendig, durchtrieben, aber enorm liebesfähig erscheint er mir tausendmal interessanter als Guy, die eigentliche Hauptfigur des Romas.
In einem Tagebuch vermerkt Highsmith: "I love him." !
Bruno ist eine Figur, die trotz ihrer Bösartigkeit nonchalant daher kommt und sich aufdringlich aber dennoch subtil in das Herz des Lesers schleicht.