Leser-Rezension zu „Das Buch der Illusionen” von Paul Auster
am 14.04.2009
Ein verschwundener Stummfilmheld und eine mysteriöse Schöne ergeben in Summe, Nebenstränge mit eingerechnet; Vintage Paul Auster.
Paul Austers Roman „Das Buch der Illusionen“ ist ein unterhaltendes Buch mit einer rätselhaften Geschichte als Ausgangspunkt.
Prof. Zimmers Existenz ist nach dem Tod seiner beiden Söhne und seiner Frau bei einem Flugzeugabsturz hauptsächlich durch Alkohol beeinflusst, bzw. durch die jeweils konsumierte Menge Alkohol. Als er eines Tages in einer Auslage einen Ausschnitt eines alten Stummfilms sieht und durch den Schauspieler erheitert wird und sogar wieder lachen kann, bemüht er sich, so viel Information wie möglich über diesen Akteur herauszufinden. Dabei bringt er in Erfahrung, dass Hector Mann nach nur zwölf Filmen (von denen nur drei zugänglich sind) unter mysteriösen Umständen 1929 verschwand. Fast zeitgleich mit dieser Entdeckung tauchen die neun bis jetzt verloren geglaubten Filme in anonymen Paketen in verschiedenen Filminstituten über die Welt verstreut auf. Fasziniert von der Kunst Hector Manns, beginnt er ein Buch über die zwölf Filme Hector Manns zu schreiben und bereist trotz massiver Flugangst alle Orte, an denen sich die Filme nun befinden, um die Filme zu sehen.
Zusätzlich fasziniert vom nie geklärten Verschwinden Hector Manns vor gut fünfzig Jahren, entsteht sein Buch.
Eines Tages, nach der Veröffentlichung des Buches, erhält er den Brief einer Dame, die sich als Hector Manns Frau ausgibt und ihn bittet, Hector Mann zu besuchen, um weitere Filme, die er nach seinem Verschwinden gedreht hat, zu sichten. An Betrug glaubend, antwortet er knapp und unfreundlich, auch auf einen zweiten Brief. Einige Wochen später findet sich bei Prof. Zimmer eine mysteriöse Frau ein, die ihn (auch mit Hilfe einer Pistole) bittet, sofort nach New Mexico mitzukommen, um Hector Mann, der nicht mehr lange zu leben hätte, zu besuchen.
Mit der aufregenden und spannenden Geschichte der letzten fünfzig Jahre im Leben Hector Manns beginnt somit der von Paul Auster beeindruckend inszenierte Roman im Roman.
Paul Auster hat die Geschichten von Prof. Zimmer und Hector Mann kunstvoll verwebt. Dadurch wird die auf den ersten Blick unglaubwürdige Verbindung eines Professors für vergleichende Literatur und eines (fiktiven) Stummfilmkomikers, dessen Blütezeit fast so lange zurückliegt, wie sein Verschwinden, doch sehr glaubwürdig. Wenn man einmal im Erzählfluss drinnen ist (mein erster Versuch liegt zwei Jahre zurück, da bin ich nicht über Seite 30 hinausgekommen), folgt man Paul Austers Erzählung gebannt.
Obwohl sehr spannend erzählt, hat dieser Roman ein sehr langsames Grundtempo, das auf beeindruckend konsequente Weise bis knapp vor dem Schluss durchgehalten wird. Dort, in einem ganz wichtigen Moment, kippt die Bewegung und erreicht dadurch eine Steigerung der Intensität, um wieder in einem fast stehenden Epilog auszuklingen.
Hie und da hatte ich das Gefühl, man hätte den Text ein wenig straffen können, „Das Buch der Illusionen“ funktioniert aber als Gesamtwerk blendend. Vielleicht der langsamste Text von Paul Auster, den ich bis jetzt gelesen habe; nach „Leviathan“ aber vielleicht auch der beste.

