Leser-Rezension zu „Das Buch der Illusionen” von Paul Auster

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Stefan83 Stefan83
Verfasst von Stefan83
am 6.10.2011
 

Gute drei Jahre schmorte dieser Titel in meinem Bücherregal, da ich mich entweder nie in der richtigen Stimmung für seine solche Lektüre befand oder beim Herausziehen des Buches nichts mit dem unspektakulären Klappentext anfangen konnte. Drei Jahre zuviel Zeit gelassen, muss nun das Fazit meinerseits lauten, denn mein erster Paul Auster hätte mich nicht mehr beeindrucken können.

Dabei könnte der Roman von seiner Erzählweise nicht unspektakulärer daherkommen, so langsam baut Auster den Plot auf, führt er die Figuren und ihre Hintergrundgeschichte in die Handlung ein. Und doch ist da diese stetige Spannung, dieses drängende Gefühl ständig weiterlesen zu müssen, was es mir schlichtweg unmöglich gemacht hat, das Buch mal für längere Zeit an die Seite zu legen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht David Zimmer, Professor für vergleichende Literaturwissenschaften an einer kleinen Hochschule in Vermont. Sein idyllisches Leben mitsamt Frau und zwei Kindern hat durch eine Katastrophe ein jähes Ende gefunden. Bei einem Flugzeugabsturz kommen Frau und Kinder ums Leben, Zimmer bleibt allein und gebrochen zurück. Er lässt sich beurlauben, bricht jeglichen Kontakt zu Freunden und Familie ab, verfällt dem Alkohol. Sein Leben scheint zerstört, bis er eines Tages im Fernsehen die Dokumentation über den längst vergessenen Stummfilmstar Hector Mann sieht... und fast ein halbes Jahr nach der Tragödie wieder zum ersten Mal lacht.

Für Zimmer ist es ein Weckruf, der ihn aus seiner Lethargie holt und seinem Leben neuen Sinn zu verleihen scheint. Obsessiv beginnt er damit, Recherchen über Mann anzustellen und erfährt, dass dieser kurz nach seinem Durchbruch in Hollywood vor fast 60 Jahren spurlos verschwand. Zimmer sucht mehrere Orte in der Welt auf, um alle 12 von Mann vorhandenen Stummfilme zu sehen und in einer Biographie zu verarbeiten, welche zwar wenig internationales Aufsehen erregt, aber dafür sorgt, dass er plötzlich Briefe erhält, in denen eine Frau, welche sich für Manns Frau ausgibt, ihn bittet, den im sterbenden liegenden Star zu besuchen. An einen Betrug glaubend, bekundet er knapp und unfreundlich sein nicht vorhandenes Interesse und ist umso schockierter als einige Wochen später eine mysteriöse Frau vor seiner Tür steht, welche ihn mit vorgehaltener Pistole "bittet" eine Reise nach New Mexiko anzutreten.

In der Art und Weise wie Zimmer den Werken Manns verfällt, geschieht dies dem Leser auch bei "Das Buch der Illusionen". Mit Leichtigkeit nimmt dieses Buch gefangen, zieht es uns in den Bann und in eine Erzählung, in der sich die Lebensgeschichten zweier Männer miteinander verweben. Auster schreibt prägnant und viel, und doch nie ausschweifend, der Erzählfluss bleibt stets bestehen. Er schafft es die 20er Jahre vor unseren Augen wiedererstehen zu lassen, beschreibt mit beinahe akribischer Genauigkeit die Filmarbeit. Szene für Szene, Kamerafahrten, Auf- und Abblendungen. Dies wird derart detailliert auf Papier gebracht, dass die Stummfilme vor dem inneren Auge des Lesers wie im Kino ablaufen. Selten hab ich es gesehen, dass jemand so perfekt das Medium Film in das Medium Literatur übertragen hat. Und obwohl die Story besonders gegen Ende hin nicht mit Tragik und Dramaturgie geizt, schimmert in all der Düsternis immer ein Licht, gelingt es Auster mit toll eingestreutem Humor und Situationskomik das Heitere zu bewahren. Der Abschluss samt Epilog rührt, bewegt und sorgte bei mir dafür, dass mich das Buch auch Stunden danach noch beschäftigt hat.

Insgesamt ist "Das Buch der Illusionen" ein sprachlich farbiges, mitreißendes Stück Literatur mit Suchtfaktor, das jedem Freund von liebevoll erzählten Geschichten nur ans Herz gelegt werden kann. Austers weitere Werke stehen bereits auf meinem Merkzettel.

 

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Das Buch der Illusionen Das Buch der Illusionen
Paul Auster

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Das Buch der Illusionen
von Paul Auster

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