Leser-Rezension zu „Mann im Dunkel” von Paul Auster
am 13.07.2010
Wie flüchtet man am effektivsten vor der grauenhaften Realität, in der die U.S.A. Krieg im Irak und Afghanistan führt, die eigenen Frau bereits verstorben ist und die Liebe der Enkelin einem hinterlistigen Anschlag der Taliban zu opfer gefallen ist? Genau, man bastelt sich seine eigene Welt, fällt weit in die Tiefe des Kaninchenbaus und gibt sich hemmungslos seiner eignen Phantasie hin. So handelt Austers Protagonist August Brill. Er will die Gegenwart mit all ihrem Grauen, den eignen Schicksalsschlägen, dem Kummer der Angehörigen, dem hoffnungslosen Weltgeschehen und der erschreckenden Zukunft nicht akzeptieren. So erträumt und erdenkt er sich ein anderes Amerika, aber ein Himmel auf Erden wird ihm auch hier nicht begegnen. Es entflammt im Kopf von Brill ein anderer Krieg, der alle anderen Konflikte ersetzt. So wuchert in Brills Kopf ein heftiger Bürgerkrieg, in dem die Vereinigten Staaten von Amerika zu zerfallen drohen. Nicht Brill hat in diesem Szenario zu leiden, sondern der von ihm entwickelte Charakter eines jungen Mannes, der eines Tages uniformiert in einem Erdloch aufwacht und nicht weiß wie ihm geschieht.
Auster lässt einmal mehr die Realität aus und zeigt uns auf, zu was die Phantasie fähig ist. Hier werden die politischen Geschehnisse aus der Sicht eines der größten Schriftsteller unser Zeit verarbeitet und zu einem wundervollen und ambitionierten Buch entwickelt. Eines der wichtigsten Bücher der Gegenwart und mit ziemlicher Sicherheit ein Zeugnis unser Zeit, mit diesen idiotischen Konflikten. Austers Roman steht für Freiheit und Phantasie!

