Leser-Rezension zu „Reisen im Skriptorium” von Paul Auster
am 7.07.2010
Stellen Sie sich vor, Sie erwachen in einem Raum, den Sie nicht verlassen können. Sie wissen nicht wo Sie sich befinden, noch wer Sie sind. Sie haben Ihre Identität verloren und würde diese Tatsache nicht schon allein niederschmetternd sein, müssen Sie auch noch feststellen, dass das Alter an Ihnen nagt wie Ratten am Abfall. Denn Sie leiden unter Inkontinenz, sind nicht im Stande sich selbst zu bekleiden und ein klarer Gedanken verliert sich bereits Minuten nach seiner Geburt im Nichts und entwickelt sich zu sinnlosen Kauderwelsch. Wenn Sie sich dieses Szenarien nicht vorstellen können oder nicht wollen, dürfen Sie sich als Seelenverwandten von Austers Protagonisten fühlen. Dieser arme Mann, welcher fortwährend einzig Mr. Blank genannt wird ist in dieser Tretmühle voller Misstrauen, Angst und Wut gefangen. So wirft uns Auster wieder in eine Welt, die so fremd erscheint wie der Glaube an eine außerirdische Lebensform, aber uns nach ein paar Seiten so wirklich vorkommt wie der tägliche Sonnenuntergang. Hier zeigt Auster auf ein Neues, dass er der Meister des Verborgenen und Unerklärlichen ist und wieder verfließen die Grenzen zwischen Imagination und Wirklichkeit. Lesen, unbedingt!

