Leser-Rezension zu „Timbuktu” von Paul Auster
am 27.05.2011
Für Mr. Bones bricht die Welt zusammen. Sein exzentrisches Herrchen Willi pfeift auf dem letzten Loch. Wo soll der arme Hund allein hin und an wen soll er sich wenden? Eines steht für Mr. Bones in Stein gemeißelt, ohne Willi wird sein Leben nie wieder wie es war. Vorbei die Herumtreiberei, die Abenteuer auf den Straßen, das Schlafen unter freiem Himmel und die zwischen Wahnsinn und Genie klingenden Geschichten seines Herrchens und besten Freundes auf dem Erdball. Mr. Bones kann für Willi nur hoffen, dass dieser in ihr fiktives Paradies Timbuktu aufgenommen wird, wobei er sich fragt, ob dort Hunde nach dem Tod auch erwünscht sind.
Paul Auster zeichnet in seiner phantasievollen und leicht grotesken Geschichte ein ergreifendes und melancholisches Bild vom Versagen, Außenseitern und Träumereien. Über einen Hund lernen wir Menschsein neu kennen, erfahren tiefe Freundschaft und die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Die Paarung aus einer einfühlsamen Geschichte, ungeahnten Stilmitteln und absurden Charakteren schenkt einem eine andere und berührende Leseerfahrung. Timbuktu ist ein anderer Auster, beinhaltet aber dennoch den Auster, der einen nicht enttäuscht. Wahrheit, Sinn und Wirklichkeit werden einmal mehr entzerrt und auf die Probe gestellt. Ein kluges, aber sonderbares Stück lesenswerter Literatur.


