"Ayani" ist der zweite Teil aus Peter Freunds Mysteria-Reihe, allerdings kann man dieses Buch auch gut lesen, ohne den Vorgänger zu kennen. Ich für meinen Teil hatte jedenfalls keine Verständnisprobleme beim Lesen, da viele Dinge ausreichend erklärt werden und es ein paar kurze Rückblicke gibt. Als abgeschlossenes Buch würde ich "Ayani" jedoch nicht ansehen, denn das Ende macht deutlich klar, dass es auch noch ein drittes Buch geben wird - das man wohl lesen sollte, um einige hier aufgekommene Fragen zu beantworten.
Der im Buch "Mysteria" begonnene Kampf Nikos und seiner Freunde gegen den Usurpator Rhogarr von Khelm wird in "Ayani" fortgesetzt, allerdings hat nun auch Nikos Freundin Jessie ihren Weg nach Mysteria, die Welt hinter den Nebeln - eine Art Parallelwelt - gefunden. Und wieder haben die Freunde mit allerhand Problemen zu kämpfen: Jessie muss dringend zurück in ihre Welt, Niko ist weiterhin auf der Suche nach seinem Vater, der von Rhogar ins Exil getrieben wurde, Ayani hadert mit dem Schicksal ihrer Angehörigen und auch die aus Band eins bekannte Schwarzmagierin Saga hat wieder ein paar Worte mitzureden und versucht, den Protagonisten das Schwert Sinkkalion wieder abzujagen.
Auf der Erde sorgen sich Nikos und Jessies Eltern unterdessen um ihre plötzlich verschwundenen Kinder und merkwürdigerweise scheint das Buch, das Jessies Vater zurzeit schreibt, in mehr als einem Punkt Bezug zur Welt Mysteria zu haben...
Zugegeben: Mit Jugendbüchern tue ich es mir in der Regel schwer; die Helden sind stets tugendhaft und gut, entkommen aus jeder noch so brenzligen Situation und sperren sich natürlich gegen jedes Handeln, das nicht zu 100% moralisch "gut" ist, während ihre Gegner schlichtweg "böse", häßlich und gelegentlich auch noch dumm sind...für Leser "erwachsenerer" Romane kann so etwas schon schwer zu verdauen sein.
Auch in diesem Buch sind viele der o.g. Kriterien vorzufinden, aber man versteht schon irgendwie, dass es jüngeren Lesern (für die dieses Buch ja ursprünglich gedacht ist), mit Sicherheit leichter fallen wird, sich mit ein paar strahlenden Helden zu identifizieren, die praktischerweise auch noch in ihrem Alter sind. In diesem Sinne macht Peter Freund also nichts falsch (eine jüngere Freundin von mir, der ich die Leseprobe geschickt habe und die wohl eher in die Zielgruppe passt, als ich, war sogar begeistert).
Mich persönlich störte es dann aber doch ein wenig, denn die Helden sind einfach zu tugendhaft und zu mutig für ihr junges Alter, als dass es glaubwürdig wäre.
Ansonsten schafft es Peter Freund in diesem Buch jedoch, einige sympathische Charaktere zu erschaffen, mit denen sogar ich mitfiebern konnte - vor allem Jessie habe ich mit der Zeit lieb gewonnen. Wenn ich einen Tip abgeben müsste, wen die Leserschaft dieses Buches zu ihrem Lieblingscharakter wählen würde, dann würde ich wohl auf sie tippen, die an alle Probleme mit einem unglaublichen, aber nicht realitätsfernen Optimusmus herangeht und dabei auch um den ein oder anderen Witz nicht verlegen ist.
Davon ab werden jedoch auch die anderen Charaktere ansprechend beschrieben. Was mir noch aufgefallen ist, ist der Charakter Rhogarr von Khelm: Aus Nikos und Ayanis Sicht ist er ein grausamer Tyrann, jedoch scheinen die Kapitel aus seiner Sicht darauf hinzudeuten, dass es mit diesem Charakter noch mehr auf sich hat, als man zuerst meint?
Sehr gut gefällt mir an "Ayani", dass die Handlung direkt in zwei Welten spielt und das sogar durch unterschiedliche Schriften kenntlich gemacht wird. Die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen erzählt wird, sorgen für eine gute Abwechslung, sodass das Buch nicht langweilig wird. Was die Spannung ebenfalls aufrecht erhält ist, dass man meistens nicht mehr weiß, als die Protagonisten.
Das Inhaltsverzeichnis und die Kapitelüberschriften verraten für meinen Geschmack jedoch ein wenig zuviel.
Letzendlich kann ich das Buch vor allem jüngeren Lesern empfehlen, denn viele von ihnen sollten sich mit den Protagonisten dieses Buches identifizieren und mit ihnen mitfiebern können. Für Freunde 'realistischer' und erwachsenerer Fantasy mit tiefgehenden Charakteren wird Ayani jedoch mit Sicherheit eine Umstellung darstellen, denn dies ist nun einmal ein Jugendbuch, was leider auch Schwarzweiß-Malerei, eine etwas seichtere Handlung und die unvermeidlichen, kleinwüchsigen Helden beinhaltet.
Dennoch weiß dieses Buch gut zu unterhalten und fällt vor allem durch ein paar originelle Ideen auf. Für mich immerhin genug, um auch einen Blick in den Folgeband zu werfen, der hoffentlich die in "Ayani" aufgeworfenen Fragen und begonnenen Erzählstränge auflösen wird.