Älter als die Wälder...
Schöner als das Meer...
Weiser als die Zeit selbst...
Das Einhorn lebte friedlich und fern abseits von allem Bösen in seinem Wald. Die Bewohner des Waldes liebten es, denn es brachte die Blumen zum Blühen, das Gras zum Wachsen und tauchte den Wald in ewigen Sommer und Frieden. Nie machte es sich trübe Gedanken. So etwas tun Einhörner nicht.
Menschen hielten sich fern...Sie spürten, dass etwas anders war, an diesem verwunschen wirkenden Ort.
Als sich eines Tages doch zwei Jäger in den Wald verirren, belauscht das wunscherschöne Geschöpf das Gespräch der beiden. Sie wissen von Einhörnern, wissen, dass es sie wirklich gibt.
Doch dann erzählt einer der Jäger etwas völlig unfassbares. Dieses Einhorn, ist das Letzte seiner Art. Alle anderen, dieser filigranen Geschöpfe, sollen verschwunden sein. Vertrieben wurden sie, heißt es. Doch von was?
Kein wandelendes Wesen der Erde vermag einem Einhorn Furcht einzuflössen...
Das Einhorn kann und will diese ungeheuerliche Behauptung nicht hinnehmen, und so macht es sich auf den Weg, um herauszufinden, was mit seinen Gefährten geschehen ist...
Ein Abenteuer durch eine gefährliche und aufregende Welt beginnt, bei dem das Einhorn lernen muss, dass es für die meisten Menschen nur noch ein Fabelwesen aus einem Märchenbuch ist...
Das letzte Einhorn von Peter S. Beagle bekommt von mir die volle Punktzahl.
Diese Rezension ist eine Premiere, denn ich habe vorher noch nie ein Buch gelesen, von dem ich die Verfilmung bereits zuvor gesehen habe.
Da der Film allerdings zu meinen absoluten Lieblingen gehört, war mir sofort klar, dass ich das Buch dazu lesen musste. Vielen von euch geht es wahrscheinlich ähnlich mit Büchern und Filmen...Die Bücher sind immer besser! Ganz einfach, weil die Leser ihre eigenen Welten erschaffen, ihre eigenen Protagonisten formen, alles entspringt der eigenen Fantasie und verfestigt sich vor dem inneren Auge.
So ist eine Buchverfilmung meistens zum Scheitern verurteilt-auch wenn sie noch so tolle Special-Effekts hat und die teuersten Schauspieler engagiert wurden. Meiner Meinung nach, gibt es mittlerweile aber einige Ausnahmen und wirklich durchaus gelungene Verfilmungen- allen voran diese!
Jetzt ist es hier ja umgekehrt der Fall und was kann ich anderes sagen als: Toll! Toll! Toll!
Absolut Spitze! Die erste Originalfassung stammt aus dem Jahr 1961, und wurde seitdem schon des öfteren neu aufgelegt. Bei dieser Ausgabe handelt sich um eine Sonderausgabe, mit einem Bonus der Extraklasse. Ein Leckerli, sozusagen. Es ist wie nach einer guten Kinovorstellung...zufrieden und noch in freudiger Euphorie vom zuvor gesehenem Film... geht ihr zum Parkplatz...schiebt das Parkticket in den Parkscheinautomaten...und heraus kommt ein Premierenticket für den zweiten Teil des Films. Sagen wirs also so: Die Kirsche auf der Sahnetorte.
Die Leser bekommen hier nicht nur die Originalfassung von Peter S. Beagle,der mit einem atemberaubenden und bildgewaltigem Schreibstil gesegnet wurde, sie bekommen auch noch die wunderschöne Fortsetzung " Zwei Herzen", die mir bisher auch noch unbekannt war.
Wie gerade schon angedeutet, hat mir der Schreibstil wirklich gut gefallen. Der Autor schreibt mit großem facettenreichtum und verleiht seiner Geschichte und seinen Protagonisten etwas magisches.
Immer wieder tauchen Lieder oder Gedichte auf, die durch Beagle's "altertümlichen" Spachstil sehr gut zur Geltung kommen. Es passt einfach zu dieser wunderschönen, mystischen Fabelwelt-Atmosphäre.
Mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich mir vorstelle, dass das Einhorn als "cool" oder "süß" beschrieben wird. Nichts anderes als "filigran" und "anmutig" ist passender- bravo Mr. Beagle!
"Wir sind nicht immer, was wir scheinen, und selten nur, was wir erträumen" S. 38
Schon der Film macht deutlich, dass diese Geschichte nicht zu den oberflächlichen und kurzweiligen Storys gehört, bei denen man das Ende schon nach dem ersten Kapitel erahnen kann. Sie hat Tiefgang. Und sie verursachte mir eine Gänsehaut.
Peter S. Beagle beweist, dass es nicht nötig ist, einen 700-Seiten Roman mit unzähligen, komplizierten Welten und Massen von verschiedenen Protagonisten zu schreiben, um die Leser zu begeistern. Er hat mit einer überschaubaren Anzahl von Charakteren und ganz einfachen Handlungssträngen genau das geschafft, was manchen Autoren auch nicht auf 700 Seiten gelingt. Er berührt seine Leser und hinterlässt ihnen eine Botschaft-zwischen den Zeilen. Welche das ist? Nun, das findet ihr am Besten selbst heraus. Wer denkt, dass dieses Buch nur aus "Kinderkram und Märchenzeugs" besteht, der irrt sich gewaltig. Ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass das Buch mir noch besser gefallen hat, als der Film. Obwohl dieser weiterhin einen Stammplatz bei meinen Lieblingsfilmen behält. Im Buch kommen dem Leser die Atmosphäre und die Charaktere einfach noch näher. Die Umgebung ist detaillierter, die Stimmungen und Gefühle, nehmen noch einen größeren Stellenwert ein.
Und das Einhorn...
Ja das Einhorn, dass wie ich finde, bereits im Film sehr gut dargestellt wird, übertrifft im Buch nochmal alles. Der Autor findet genau die richtigen Worte, um die Verletzlichkeit, die Trauer aber auch den Stolz und den Mut dieses wunderbaren Wesens hervorzubringen.
Auch die anderen, liebgewonnen Protagonisten, wie Schmendrick, der unfähige, tollpatschige Zauberer mit einem Herz aus Gold und Molly, die robuste und aufopferungsvolle Räuberbraut, brennen sich in das Gedächtnis ein und lassen ihre Leser nicht mehr los.
Das Ende wird nicht verraten, falls es doch noch jemanden gibt, der weder Film, noch Buch kennt.
Auch über die Fortsetzung möchte ich nicht all zu viel verraten. Seid euch aber Gewiss, dass es ein Wiedersehen mit den altbekannten Charakteren gibt und das Einhorn vor einer neuen Bedrohung steht. Ich war zunächst etwas skeptisch ob "Zwei Herzen" mit dem "Hauptbuch" mithalten kann, aber die Sorge war völlig unbegründet. Der Autor hat auch hier tolle Arbeit geleistet und eine Geschichte geschrieben, die im Gedächtnis bleibt.
Ich empfehle dieses Buch allen Romantikern und Träumern, die im Herzen Kind geblieben und so noch offen für wahre Magie sind.
Fazit:
When the last eagle flies
Over the last crumbling mountain
And the last lion roars
At the last dusty fountain
In the shadow of the forest
Though she may be old and worn
They will stare unbelieving
At the Last Unicorn