Leser-Rezension zu „Wir fliegen” von Peter Stamm
am 1.05.2011
Gute Kurzgeschichten schreiben gehört nicht zu den entwickelten deutschen Schrifstellerdisziplinen, sagt man gemeinhin. Das ist allerdings auch auf die stiefmütterliche Behandlung durch die Verlage zurückzuführen, die teilweise Kurzgeschichten gar nicht annehmen wollen. Da lobt man sich doch den anglo-amerikanischen Bereich, wo die Kurzgeschichte nicht nur gepflegt, sondern geachtet und vom Leser geschätzt wird. Wie dem auch sei, mit Peter Stamm gibt es einen Autoren in diesem Lande, der dieses Genre bedienen kann und auch tut. Seine Erzählungen haben den Geruch des Allgegenwärtigen, flüchtige Erlebnisse, die das Leben zwar nicht erklären, aber ein wenig sinngebend wirken können, da, wo der eine oder andere kommentar-oder fassungslos das offensichtlich Sinnlose einfach hinnimmt. Mit leisen unaufdringlichen Sätzen baut Stamm seine Geschichten zu kleinen Häusern zusammen, in denen ab und an unerwartet ein Fenster aufgeht. Gutes Handwerk trifft unaufdringliche Poesie.

