Königin Olga würde sich im Grabe routieren, wenn sie sähe, was unsere heutigen Politker aus ihrem schönem Schloßgarten machen wollen (Bäume fällen und den FUNKTIONIERENDEN Bahnhof unterirdisch zu verlegen) aber darum geht es in dem Buch nicht und soll nur am Rande erwähnt werden. Fast ein bisschen wehmütig, habe ich das Buch vorher zugeklappt und es in meine Büchereitasche gepackt. Schade, dass so gut geschriebene Bücher immer so kurz sind und viel zu schnell zu ende gelesen sind....
Letztes Jahr im Dezmber habe ich die Autorin live bei Hugendubel gesehen, während sie "die Zarentochter" signierte. Nebenbei erzählte sie, dass es im kommenden ein neues Buch geben wird, das ich am Liebsten schon vor einem Jahr gelesen hätte.
Wer sich in Stuttgart ein bisschen auskennt, kann an Olga nicht vorrüber gehen. So gibt es die Olgastr., das Olgaeck, die Olgabretzel, das Karl-Olga Krankenhaus und nicht zu vergessen das Olgahospital für Kinder (Stuttgarter nennen es nur das Olgäle). Olga wurde von den Württemberger geliebt und verehrt.
In diesem Buch geht es aber nicht um Olga sondern um Wera, ihre Adoptivtochter. Wera kommt, nach dem ihre Eltern mit ihr nicht zurecht kommen, zu ihrer Tante und späteren Adoptivmutter. Olgas ehe mit dem Kronprinzessen Karl blieb leider kinderlos umso mehr freute sie sich das ihr Patenkind nach Stuttgart kommen soll um bei ihr zu leben. Wera ist sehr anstrengend, so kann sie am Tisch nicht still sitzen (das Maultaschenessen fand ich sehr lustig). gibt ungehörige Kommentare von sich und ihre Lehrer verzweifeln. In Margitta, der Tochter einer Wäscherin, findet sie eine gute Freundin.
Ihr ruheloses Wesen ändert sich erst als ein Offizier mit ihr regelmäßig auf lange Wandertouren geht uns sie sich so auspowern kann. Ihr Leben verläuft danach ruhiger. In Herzog Eugen findet sie einen unsteten Ehemann, der sich lieber dem Glückspiel widmet als seiner Ehefrau. Weras Leben ist geprägt durch schwere Tragödien. Ihr heißgliebter Sohn verstirbt mit nur sechs Monaten. Kurz nach der Geburt der Zwillinge stirbt auch noch ihr Mann. Dieses Ereignis stürzt sie in tiefe Depressionen, die sie nur mit Ollys Hilfe überwinden muss. Nachdem sie mit ansehen muss, wie ihre einstige Jugendfreundin (nebst Nachwuchs) mehr oder weniger vor sich hinvegitiert, beschliesst sie aktiv zu werden. Gemeinsam mit ihrer Mutter gründet sie das Weraheim.
Die russische Zarin ist eine wirklich gelungene Fortsetzung von der Zarentochter. Da Petra Durst-Benning angenehmen schreibt, liest sich das Buch sehr flott. Nebenbei habe ich einiges über mein Bundesland erfahren. Dieses Buch kann ich nur uneingeschränkt weiterempfehlen. Ich würde mich freuen, wenn es von der Autorin bald wieder ein neues Buch geben würde. Da Stuttgart für mich die allerschönste Stadt ist, war dieses Buch mehr als nur ein Buch für mich, es war fast schon ein literarischer Spaziergang für mich. Ich habe Wera und Lutz auf ihrem Weg zur Grabkapelle virtuell begleitet. Heute Vormittag, als wir eine gefühlte Ewigkeit im Olgäle auf eine Untersuchung warten mussten, hat dieses Buch mir die Wartezeit verkürzt. "Die russische Herzogin" war deshalb ein "Muss" Buch für mich.