Leser-Rezension zu „Der Wald steht schwarz und schweiget” von Petra Tessendorf
am 24.12.2010
Ein Klassentreffen führt (ehemalige) Freunde nach dreißig Jahren im Bergischen Land wieder zusammen: Olga, Thorvald, Benno, Hanna, Juliane ... Man feiert, wärmt alte Erinnerungen auf, stellt sich – mehr oder weniger erbaut – seiner Vergangenheit, staunt, was aus den anderen geworden ist: ein Opernsänger, eine Journalistin, eine Polizistin, einem gehört – praktischerweise – das Lokal, in dem man sich trifft, ein anderer geht im Steinbruch mehr oder weniger zwielichtigen Geschäften nach. Olga und Thorvald, den gefeierten Tenor, verbindet eine alte Liebe, sie sind Freunde, die miteinander ins Bett gehen, aber nie eine feste Beziehung miteinander eingegangen sind. Und auch andere haben zarte Bande geknüpft – mal mehr, mal weniger glücklich.
Kulisse – und in seiner Bedeutung und Intensität oft mehr als das – ist der Wald um Wuppertal. Dort besitzt Olgas Familie eine Hütte. Dort haben die Freunde früher oft und gerne gespielt. In ihrer Kindheit war der Wald für alle noch Spielplatz, freundlich und vertraut. Das ändert sich jedoch, als Olga am Tag nach dem Klassentreffen ihre Mitschülerin Juliane tot im Wald findet, offenbar ermordet. Die Journalistin war einer heißen Story auf der Spur, das hatte sie am Abend zuvor angedeutet. Einer Story, die ihren Beginn dreißig Jahre zuvor hatte und in die Olgas Familie, vor allem ihr patriarchalischer, kühler Großvater, aber auch der mit ihm zerstrittene Sohn, Olgas Vater, offenbar tragende Rollen spielen.
„Der Wald steht schwarz und schweiget“ ist kein klassischer Ermittlerkrimi. Es gibt zwar einen Kommissar, der tritt aber kaum in den Vordergrund. Olga, und mit ihr Thorvald, mit dem die stürmische, aber anscheinend aussichtslose Affäre wiederaufflammt, und andere begeben sich auf Spurensuche. Eine Mitschülerin wird des Mordes verdächtigt und von der Polizei verhaftet. Sollte es doch „nur“ eine Beziehungstat gewesen sein? Mord aus Eifersucht?
Die Naturbeschreibungen haben mir gut gefallen, die Stimmungen im Wald fand ich sehr schön eingefangen. Spannend war der Krimi weniger, dafür plätschert die Handlung zu sehr vor sich hin, bleibt manches nur „Theaterdonner“. Mit den Personen konnte ich weniger anfangen, und das ist vielleicht mit das A und O, wie einem ein Roman gefällt: bleiben einem die Personen gleichgültig, ist es schwierig, sich von dem Geschriebenen mitreißen zu lassen. Olga wird mit einigen unangenehmen Wahrheiten und Familiengeheimnissen konfrontiert. Diese offenbaren sich ihr mehr durch Zufälle. Sie leidet unter ihrer Liebe zu Thorvald, der offenbar nicht für eine Frau alleine geschaffen ist. Am Ende – das für mich wenig überzeugend daherkam – blieb Olga für mich jedoch genauso blass wie am Anfang.

