Leser-Rezension zu „Die Adlon Verschwörung” von Philip Kerr
am 13.02.2011
Ein spannendes, überzeugendes Zeitbild aus dem berlin der 30er Jahre, von Philip Kerr als ergänzender Teil seiner Berlin-Noir-Trilogie gestaltet.
Berlin 1934 - die Stadt bereitet sich auf die Olympischen Spiele vor. Bernhard "Bernie" Gunter, Ex-Kripo-Beamter vom Alex, dem legendären Polizeipräsidium am Alexanderplatz, arbeitet als Hoteldetektiv im noblen ADLON. Aus dem Polizeidienst ist er gegangen worden, weil nicht zu den aktuellen Machthabern übergelaufen ist - den Nazis, die sich jetzt überall breitmachen und das Stadtbild bestimmen.
Sehr, sehr dumm, dass Bernie da zufällig auf der Straße mal den Mund nicht halten kann und von einem Gestapo-Mann gestellt wird. Bernie will nur das Weite suchen - er schlägt den Mann nieder und macht sich davon. Doch der Gestapo-Mann ist an seinem Schlag gestorben, das erfährt er schnell. Und seine ehemaligen Kollegen vom Alex ermitteln.
Noch fühlt sich Bernie relativ sicher, er glaubt, niemand habe ihn bei dem Zwischenfall beobachtet.
Also geht er seiner Arbeit im Adlon nach - Prostituierte aufstöbern, das Personal beaufsichtigen, die Klagen der Gäste bearbeiten. Was er dabei immer deutlicher spürt: den um sich greifenden Antisemitismus des Systems - und die um sich greifende Korruption, besonders im Zusammenhang mit den Bauarbeiten an den Olympischen Sportstätten, die bis 1936 fertiggestellt ein müssen.
Das alles kulminiert in dem Fall, den ihm seine Chefin, die legendäre Hedda Adlon quasi überträgt - indem sie ihn bittet, ihrer Freundin, der amerikanischen Journalistin Noreen Charalambides bei ihren "Recherchen" in Berlin zu helfen. Noreen geht es besonders um einen Toten, den man aus dem Landwehrkanal gezogen hat. Ex Boxer, wie sich schnell herausstellt,: Ein Mann jüdischer Abstammung, von den Machthabern aus dem Sport gedrängt, zuletzt nur noch als Bauarbeiter beim Olympiastation geduldet.
Ein spannendes, überzeugendes Zeitbild aus dem berlin der 30er Jahre, von Philip Kerr als ergänzender Teil seiner Berlin-Noir-Trilogie gestaltet.

