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Puh, was für ein Buch! Es fällt mir schwer es zu beurteilen, weil es zum einen der letzte Band der Trilogie ist und diese Reihe zum anderen ja quasi zu den Klassikern zählt, und da habe ich immer das Gefühl, es wäre nicht mein “Recht”, darüber negativ zu schreiben, wenn schon so viele Tausende, vielleicht Millionen Leser vor mir das Buch in den Himmel gelobt haben … Wie dem auch sei: Der letzte und die His Dark-Materials-Reihe abschließende Band hat mir gut gefallen. Nach und nach werden die ganzen Rätsel aus den ersten beiden Büchern aufgelöst, einige wenige kommen auch noch hinzu, die aber bis zum Schluss ebenfalls zu einem Ende gebracht werden.
Besonders toll fand ich die Geschichte rund um Dr. Mary Malone bei den Mulefa, weil sie meine Fantasie richtig angeregt hat. Wesen, die sich mit Hilfe von Samenkapseln und eigener Beinkraft rollend durch die Gegend bewegen, so eine tolle Idee! Auf diese Passagen habe ich mich immer schon gefreut. Aber auch andere Geschichten fand ich spannend, zum Beispiel als Lyra und Will gemeinsam in die Welt der Toten gehen. (Die obige Kurzbeschreibung lässt vermuten, dass das die Hauptstory ist, aber ich möchte meinen, dass schon mind. die Hälfte des Buches rum war, ehe Lyra und Will in die “Unterwelt” gingen. Und außerdem ist ein Fehler im obigen Text enthalten: Nicht der Goldene Kompass hat sie “zusammengebracht”, sie lernen sich ja erst im zweiten Band kennen.) Spätestens in der Welt der Toten stellt sich wohl jedem Leser die Frage, ob er wirklich ein Kinder-/Jugendbuch in der Hand hält …
Allerdings habe ich auch Kritik zu vergeben. Wie schon in meiner Rezension zum “Magischen Messer” bin ich der Meinung, dass auch im dritten Band der Trilogie viele Hinweise mehrfach wiederholt wurden, vielleicht um sicherzugehen, dass die Leser alles verstanden haben. Das wäre aus meiner Sicht nicht nötig gewesen. Außerdem waren einige Passagen doch etwas langatmig und hätten verkürzt werden können, es gab z.B. in allen Büchern immer sehr ausführliche Umgebungsbeschreibungen. Hier hätte Pullman sich ein wenig mehr auf die Fantasie der Leser stützen können. Weiterhin fand ich nicht überzeugend, dass Mrs. Coulter am Ende plötzlich doch Liebe zu Lyra empfand. Diesen Sinneswandel konnte ich nicht nachvollziehen, was wohl daran lag, dass man wenig Einblick in das Seelenleben von Lyras Mutter bekam, weil der Großteil des Buches eben Lyras und Wills Abenteuer beschreibt. Um diese “von unheimlich böse zu gut”-Umwandlung zu legitimieren, hätte mir etwas mehr Tiefgang erhofft, so war es für mich nicht glaubwürdig.
Mein Hauptkritikpunkt gilt jedoch dem Schluss. Dass Lyra und Will sich am Ende ineinander verlieben, fand ich – ehrlich gesagt – überflüssig. Man denkt die ganze Zeit, man hätte ein Buch über eine tolle Freundschaft vor Augen und plötzlich wird daraus ein Liebespaar. Ich finde, dass es dem Ganzen einen anderen Anstrich gibt, immerhin halten gute Freundschaften manchmal das ganze Leben, Beziehungen überstehen aber selten Jahrzehnte. Doch die Krönung war, dass sich die beiden am Ende trennen mussten und sich nie wiedersehen würden! Ganz ehrlich, Herr Pullman, was sollte das!? Erst jagen Sie ihre beiden Protagonisten von einer tödlichen Situation in die nächste. Lyra hatte ihr Leben lang kaum Bezugspersonen, schon gar keine Eltern, die sich um sie kümmern. Will, der Arme, verliert als Träger des magischen Messers erst zwei Finger, rennt wochenlang mit einer blutenden Wunde herum, dann stirbt sein Vater in dem Moment, als er ihn erkennt und am Ende kriegt er seine Geliebte nicht? Das war mir alles viel zu negativ! Ich muss nicht immer eine Schnulze vor mir haben, aber zu einem Kinder-/Jugendbuch hat der Abschluss ja mal gar nicht gepasst.
Insgesamt war “Das Bernstein-Teleskop” ein würdiges, in vielerlei Hinsicht spannendes Finale, das allerdings nicht jedweder Kritik entbehrt.