Inhalt
Mary Boleyn kommt als junges Mädchen an den Hof von Henry VIII. Sie wird seine Geliebte, obwohl sie bereits mit einem anderen Mann verheiratet ist. Eingefädelt von ihrer machtbesessenen Familie, verfolgt diese damit nur ein Ziel: die Gunst des Königs zu erlangen. Doch Mary ereilt dasselbe Schicksal aller Mätressen Henrys: sie wird nach der Geburt einer Tochter und eines Sohnes uninteressant und so widmet er fortan seine ganze Aufmerksamkeit ihrer Schwester Anne. Diese ist im Gegensatz zur sensiblen Mary die pure Verkörperung des Bösen. Hinterlistig und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, bekommt sie letzten Endes, was sie begehrt: die Krone Englands. Sie schenkt Henry auch ein Kind, doch zu ihrem Leidwesen ist es nur ein kleines rothaariges Mädchen, dem sie den Namen Elisabeth gibt. Alle weiteren Versuche, einen männlichen Erben zu zeugen, scheitern und Henry wendet sich bald Jane Seymour zu. Um Anne loszuwerden, bedienen sich die Berater Henrys einiger Intrigen, die Anschuldigungen wie Verrat, Ehebruch und Inzest beinhalten. Der leicht zu manipulierende König lässt Anne in den Tower werfen. Ihre einzige Rettung besteht in einer Begnadigung, doch sie und auch Mary hoffen vergebens.
Einschätzung
„Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt“. Dieser Auszählreim beschreibt ziemlich genau, wie die Ehefrauen Henry VIII. aus seinem Leben entschwunden sind. Ich bin mir nicht sicher, was die Faszination des „schönsten Prinzen der Christenheit“ ausmacht. Doch ich verschlinge jede Lektüre, die mit ihm in Verbindung steht. So auch diesen Roman, der mich wirklich ausgesprochen gut unterhalten hat.
Mary und Anne sind von Geburt an Rivalinnen. Mary ist sanft, voller Gefühl, aber leider auch ein wenig naiv. Erst gegenüber ihrer Familie zu Gehorsam verpflichtet, fühlt sie sich allmählich zu Henry hingezogen und genießt sein Werben sowie auch die Rolle, die ihr an seiner Seite zuteilwird. Im Laufe der Zeit entwickelt sie sich zu einer starken Frau, die den Zwängen nicht mehr gehorcht und nach ihren eigenen Prinzipien lebt. Anne ist das genaue Gegenteil ihrer Schwester. Egoistisch und von unbändigem Ehrgeiz getrieben, verfolgt sie nur ein Ziel: Königin von England zu werden. Sie intrigiert, umgarnt Henry, tyrannisiert ihr Gefolge und demütigt ihre Schwester, die trotz allem zu ihr hält. Henry, König von England, ist gleichermaßen charmant wie exzentrisch. Leicht beeinflussbar, erweckt er oftmals den Eindruck, eine Schachfigur zu sein, die man nach Belieben positionieren kann.
Philippa Gregory hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil, die Ich-Perspektive ermöglicht es dem Leser, nahe bei der Figur der Mary zu sein. Die Story ist meines Erachtens gut recherchiert, auch wenn sich die Autorin viele Freiheiten herausgenommen hat. Vermutlich hätte sie bei ihren Lesern Punkte gesammelt, wäre sie im Nachwort mehr auf diese Freiheiten eingegangen. Nichts desto trotz handelt es sich hier um einen historischen Roman und weniger um ein Sachbuch über englische Geschichte. Darüber sollte man sich im Klaren sein, dann steht einem uneingeschränkten Lesevergnügen nichts im Wege.
Das Cover des Buches zeigt die Hauptdarsteller der gleichnamigen Kinofassung mit Scarlett Johansson als Mary, Natalie Portman als Anne und Eric Bana als Henry VIII. Eine wahrhaft gelungene Adaption des Buches in opulenten Kostümen vor einer grandiosen Kulisse.
Fazit
Herzschmerz, Geschwisterzwist, Dreiecksbeziehungen und Affären. Wer vom englischen Königshaus und den Tudors fasziniert ist, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Ich verleihe ihm 5 von 5 Punkten – und einen Amazing-Bandorden! (LK)