Rezension verfasst vor 2 Jahren
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Wir schreiben das Jahr 1568. Elizabeth I. regiert England seit 10 Jahren: ohne Mann und ohne Erben. Bislang gelang es ihr nicht, ihre Autorität und Regentschaft zu festigen. Und nur William Cecil kann durch sein ausgedehntes Spionennetzwerk und den Gebrauch von Folter die Adligen in ihren Grenzen halten. Doch Frankreich, Spanien und der Papst würden die Königin gern gestürzt sehen. Denn sie wollen ihren Anspruch auf den Thron nicht anerkennen, vor allem nicht, wenn es eine weitere Tudor-Nachkommin katholischen Glaubens gibt: Mary Stuart.
Mary wurde in Schottland gestürzt und aus Angst um ihr Leben flieht sie nach England und bittet dort um Schutz. Doch Mary ist keine unterwürfige, hilflose Frau. Sie ist entsetzt darüber, dass sie in England als Gefangene behandelt wird und dass ihre Cousine Elizabeth immer wieder ihre Versprechen bricht. Mary sehnt sich nach Freiheit und ihrem Thron ... und dazu dem Thron Englands. Zu diesem Zweck zettelt sie immer wieder Verschwörungen und Rebellionen an. Sie will nichts mehr als ihre Freiheit, verdreht sogar ihrem Wärter den Kopf und treibt ihre Anhänger reihenweise ins Verderben.
Philippa Gregory hat sich in einem weiteren Buch wieder einmal Elizabeths Herrschaft gewidmet, und auch dieses Mal auf unkonventionelle Weise. Denn sie schildert diese indirekt durch die Geschichte zwischen den beiden Cousinen. Dabei gibt es drei abwechselnde Erzählstränge, in denen Mary Stuart, ihr Wächter George Talbot und dessen Frau Bess in der Ich-Perspektive zu Wort kommen. Marys Gedanken drehen sich dabei um Elizabeths skandalöses Verhalten einer Verwandten gegenüber gepaart mit Machtstreben und der Sehnsucht nach einem bestimmten Mann. Doch auch über Marys Vergangenheit und die Umstände in Schottland erfährt der Leser bruchstückhaft. Gleichzeitig versucht George, zwei Königinnen gerecht zu werden. Die eine "beherbergt" er und ist ihr verfallen, der anderen ist er zu Treue und Gehorsam verpflichtet. Und auch Bess freut sich zunächst über das Prestige, das ihr die Bewirtung einer Königin einbringen wird. Doch Bess ist Geschäftsfrau und muss bald feststellen, dass der Dienst an der geizigen Elizabeth ein Verlustgeschäft ist, nicht nur finanziell.
England befindet sich weiter in Umbruchstimmung und nach Henry VIII, der sich für keine Religion so richtig entscheiden konnte, einer katholischen Bloody Mary, die alle Protestanten verbrennen ließ und einer Elizabeth I, die nun wieder der anglikanischen Kirche zu Einfluss verhelfen will, weiß das Volk inzwischen nicht mehr, welcher Glaube der richtige, und vor allem Leben rettende ist. Zudem lässt Cecil Hunderte, wenn nicht gar Tausende Menschen bespitzeln und schürt Elizabeths Verfolgungswahn immer weiter, bis sie nur noch ihm vertraut. Dies sind gefährliche Zeiten für alle anderen.
Gregory konnte mich auch mit diesem Buch wieder fesseln, wenn auch nicht rückhaltlos überzeugen. Mary war mir unsympathisch, genauso wie Bess. Beide Frauen sind sehr selbstsüchtig, wobei ich Bess' Sorgen stärker nachvollziehen konnte, da sie zusehen muss, wie die Unterbringung der Königin sie komplett ruiniert. Und George ist ein Trottel, der im Laufe der Geschichte alles und jeden unfreiwillig verrät und in seinem Bestreben nach Ehre alles kaputtmacht. Besonders spannend fand ich das Nachwort und die Auszüge aus Gregorys Website, in denen noch mehr zur Geschichte und Gregorys zukünftigen Plänen erläutert wird. Überrascht hat mich beispielsweise, dass die Autorin eigentlich kein Buch über Mary schreiben wollte, da sie sie für dumm hielt und erst im Laufe ihrer Recherchen eines Besseren belehrt wird. Zudem hat sie nun mit der Zeit der Tudors abgeschlossen, und wird sich in den nächsten Büchern den bemerkenswerten Frauenpersönlichkeiten der Plantagenets widmen, der Herrscherfamilie vor den Tudors. Und ich bin schon sehr gespannt auf diese neuen Bücher, denn Philippa Gregory hat sich inzwischen einen Stammplatz in meinem Bücherregal verdient.
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