Leser-Rezension zu „Die grauen Seelen” von Philippe Claudel
am 31.07.2007
1917 findet man in der französischen Kleinstadt V. die Tochter des Gastwirtes eines morgens tot im Fluss. Der Mord an der kleinen » belle de jour « erschreckt die Bewohner mehr als der allgegenwärtige Krieg und der Erzähler lässt uns an einer Geschichte voll Leid und Schmerz teilhaben, wenn er uns die » grauen Seelen « immer vertrauter werden lässt. Es geht um Schuld, Gesichtslosigkeit und - trotz allem - auch um Menschlichkeit, denn das eine schließt das andere (zumindest hier) nicht aus.
Vorsichtig verfährt Claudel in seiner Schilderung der Geschehnisse, er erzählt direkt und ehrlich, doch niemals zu laut. Immer wieder flechtet er Dinge aus dem Dorf ein und baut die Charaktere aus. Man merkt, dass er beständig darum bemüht ist, dem Leser die Augen zu öffnen für die kleinen Details in diesem Beziehungsgeflecht zwischen Schuldigen und Anklägern.

