Inhalt:
Während des 1. Weltkrieges wird das junge und schöne Mädchen Belle-de-jour erdrosselt aufgefunden. Der Polizist des kleinen Dorfes erzählt nun die Geschichte um diesen Mordfall, erzählt von den Menschen, die im Dorf wohnen und wohnten, die, die geprägt vom Krieg zu Aussenseitern wurden und überhaupt – wie man sein Leben führte in dieser trostlosen Zeit. Dabei werden Abgründe aufgetan und man wird in die Irren und Wirren des menschlichen Daseins hineingezogen.
Bewertung Text:
Zuerst möchte ich klarstellen, dass ich dieses Buch von der Schule aus habe lesen müssen und mir das Niveau der Originalsprache doch ab und zu etwas zu hoch war. Ich habe zwar die Zusammenhänge gut verstanden, es ist aber möglich, dass ich ab und zu gewisse Details nicht habe erfassen können.
Doch dass ich nun eine Rezension über dieses Buch schreibe, obwohl ich es lesen musste, und diese Rezension auch positiv ausfällt, spricht wohl für das Buch.
Dieses Buch hat mich zutiefst berührt. Es zeigt, wie die Menschen mit dem Krieg „vor der Haustür“ umgehen, wie sie versuchen, ihn zu vergessen und ein ganz normales Leben zu führen, was ihnen natürlich nicht gelingt. Dieses Buch lässt tief blicken: In die Seelen der Menschen, die weder schwarz noch weiss, sondern immer irgendetwas dazwischen sind.
Was mir die Lektüre etwas erschwert hat, ist, dass immer wieder der Zeitpunkt der Erzählung ändert. Wie im offiziellen Kurztext gesagt wird, schreibt der Polizist alles aus der Sicht von „heute“ aus auf. Dann erzählt er mal von Belle-de-jour, dann wieder zehn Jahre zuvor über den Procureur, dann springen wir wieder in die Gegenwart zurück usw. Das mag etwas verwirrend sein, dient aber auf jeden Fall der Authentizität und unterstreicht, wie schwierig es ist, bei all diesen Lebensgeschichten einen klaren Kopf zu bewahren, zumal man selbst auch noch seine eigene Geschichte hat, die einem immer und immer wieder in die Quere kommt, quält, nicht zur Ruhe kommen lässt. Manchmal gibt es einige Längen.
Das Buch ist gespickt mit wunderschönen Formulierungen, die mal zum Schwelgen, mal zum Nachdenken, auch zum Weinen oder Toben bringen können. Die Sprache wird sehr fein eingesetzt und durch die treffenden Beschreibungen werden die Charaktere plastisch. Man fühlt mit ihnen mit, man hasst und liebt sie.
Auf jeden Fall ein sehr lesenwertes Buch, welches jedoch eher trist, dunkel und traurig ist. Es widerspiegelt zu einem gewissen Grade die Hoffnungslosigkeit, die während des Krieges geherrscht haben muss. Das Ende fand ich etwas hart, vielleicht auch in gewisser Weise konventionell, aber auf jeden Fall einprägsam.
Bewertung Cover / Gestaltung:
Meine Ausgabe ziert eine Fotocollage des Filmes, welcher zum Buch gedreht wurde. Ich finde es ziemlich passend und die Schlichtheit passt gut zu dem Buch. Es ist ein Taschenbuch und die Seiten lassen sich sehr weit zurückbiegen, ohne dass man den Buchrücken brechen würde. (Ich kenne leider kein Hochdeutsches Wort, welches die Art dieser Seiten ausdrücken würde…auf Mundart würde ich „schwabelig“ sagen…)
Sonst ist das Buch schlicht gehalten. Da gibt es eigentlich nicht viel dazu zu sagen. Die Bücher dieser Taschenbuchreihe sind – soweit ich weiss – alle in demselben Layout gehalten, hier passt es jedoch sehr gut zum Inhalt.
Fazit: Aufwühlend, mit treffender Sprache erzählt