~|~ überall und nirgendwo in Montéal ~|~
Ein unscheinbares Mehrfamilienhaus nahe eine Altenheims in einer unscheinbaren Siedlung, ein elfjähriger Junge freut sich auf das nahende Weihnachtsfest. Doch er spürt auch, dass etwas in der Luft liegt. Seine Eltern strahlen nicht die sonstige familiäre Ruhe und Gemeinsamkeit aus. Am heiligen Abend wahren die Eltern noch unter extremer Anstrengung die Haltung, doch der Junge bekommt es deutlich zu spüren als er seine Geschenke auspackt. Als es um den geschenkten Camcorder geht wird die Anspannung beinah unerträglich und es dauert auch nicht lange, da erklären Sie ihrem Sohn, dass sie sich trennen werden. Der Vater zieht in das Wochenendhaus und die Mutter behält die Wohnung. Sie erläutern auch, dass das nicht so schlimm sei, da ihr Sohn jeden Elternteil ja zu jeder Zeit sehen könnte.
Der Junge ist sichtlich geschockt – doch er weiß von seinen Klassenkameraden, wie es sich anfühlt, dennoch kann er seine Gefühlsregungen nur mit Mühe verbergen. Selbst vor seinem besten Freund Alex – der auf der Straßenseite gegenüber wohnt.
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Der elfjährige Junge kann sich über seine Weihnachtsgeschenke nicht wirklich freuen, lediglich der Camcorder findet einiges an Beachtung, was auch an seinem Freund Alex liegt. Denn bei dem elfjährigen Jungen im Haus wohnt Julie, eine Striptänzerin mit Katzen. Alex lockt eine der Katzen heraus und klingelt bei Julie n der Tür, um ihr reumütig die Katze zurück zu bringen. Ihr Plan geht auf, Julie kommt sehr dürftig bekleidet an die Tür um ihre Katze wieder in Empfang zu nehmen, dabei öffnet sich der dünne Morgenrock und entblößt so einiges, was für kleine Jungen gar nicht zu sehen sein sollte. Während Alex fasziniert auf das Entblößte starrt steht der elfjährige Junge im Versteck und filmt die Szenerie … und obwohl er es nicht darf, nimmt er den Camcorder die Tage mit in die Schule und gewinnt durch das Zeigen des Videoclips ein wenig Anerkennung… aber nur so lange bis die Lehrerin dazwischen funkt und die Freude aller Schüler ein wenig dämpft. Sie konfisziert kurzerhand den Camcorder. Der elfjährige Junge ist ein wenig geknickt und auch ängstlich, was ist wenn einer der Eltern nach dem Camcorder fragt?
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Doch diesen Gedanken kann er nicht ganz zu Ende denken, denn es tritt etwas ein, worum er den Himmel gebeten hat: Starker Eisregen, na gut den Eisregen hat er sich nicht gewünscht, nur eine himmlische Fügung … Doch der Eisregen bewirkt in der unscheinbaren Siedlung einiges, ist da doch noch der russische Doktorand Boris, der an seiner Forschungsarbeit schreibt: Wie sich Fische bei einer bestimmten Wassertemperatur verhalten. Boris betrachtet das Wetter und hört fleißig Nachrichten: Dort wird bekannt gegeben, dass es aufgrund des anhaltenden Eisregens zu Stromausfällen kommen kann. Boris ist aufgeregt …eher aus dem Affekt sowie einem Stromausfall lernt er die Stripperin Julie kennen. Julie findet Boris ein wenig schrullig, aber bietet ihm an, bei ihr zu übernachten. Boris hat nur Augen für seine Fische, die nun in Julies Badewanne ihre Bahnen ziehen…
Dieser Eisregen mit seinen extremen Auswirkungen bewirkt noch die eine oder andere Verblüffung, zum Beispiel wie sich zwei Männer (Simon und Michael) als Liebespaar outen – und sozusagen sogar Alex sein Vater von seinem krassen (Hass-)Trip runter gebracht wird und erkennt, dass er einen Sohn hat … ja sogar der elfjährige Junge hält gebannt den Atem an, als sein Vater und seine Mutter wieder aufeinander treffen ….
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~|~ Mein Eindruck ~|~
Uih, da habe ich doch glatt eine weihnachtlich angehauchte Geschichte gelesen, aber ich muss sagen, ich fand sie nicht so schlecht, eher im Gegenteil:
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Der Einstieg war ein wenig ungewöhnlich, aber dann war ich schnell gefangen in einer Geschichte, welche das Herz berührt . Hier sind so viele emotionale Aspekte angesprochen, die nun mal in diese feierliche Zeit passen, aber ohne das es nach abgedroschenen Klischees klingt. Doch der Reihe nach:
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Auch wenn der Hauptcharakter – der elfjährige Junge – ohne Name daherkommt, man kann mit ihm mitfühlen. Er ist auf so eine liebevolle und intensive Art und Weise geschaffen worden, dass man ihn beinah förmlich vor sich sieht, wenn man die Augen schließt. Manchmal möchte man den Jungen einfach knuddeln. Aber auch die anderen Charaktere sind einfühlsam und realistisch konstruiert und bieten je nach ihrer Stellung in der Geschichte einen besonderen Gegensatz zu dem kleinen Jungen. Aber es wirkt nicht abrupt oder krass , sondern genau aufeinander abgestimmt. Dies mag aber auch an dem breiten Spektrum an Aspekten liegen, die hier liebevoll eingebracht wurden – zumal es ja keine Seltenheit ist, dass sich Elternpaare auseinander leben und sich trennen. Und dieses dann den Sprösslingen beibringen ist und bleibt nun mal ein prekäres Thema, was die Kinder um einiges zurück wirft. Klar, dass sich die Kinder dann Gedanken machen, wie sie diese Situation wieder rückgängig machen können.
Gut, wenn es denn so einfach wäre, wie hier in der Geschichte angesprochen: Man betet einfach gen Himmel und wünscht sich etwas, was – wie hier – dann als "göttliche Fügung" angesehen werden kann und das Leben rund um den Jungen verlangsamt und zu besonderem Handeln auffordert, dann sähe die Welt schon ein wenig anders aus, aber man darf als Kind noch träumen….
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Irgendwie finde ich die Idee, dieses prekäre Thema "Trennung" in einem Roman zu verarbeiten, und zwar aus Sicht des Jungen – wir lesen in der Ich-Form doch sehr gelungen. [Die "Ich-Form" wirst auch Du, liebe Rollersfan, mögen.] Denn wie ich schon erwähnte, sind die thematischen Aspekte hier Facettenreich, so finden sich hier Trennungen, skurrile Professoren die nur Fische im Kopf haben und nicht mal den Blick zu einer jungen wohl gebauten Frau heben, aber auch zwei Männer, die einander lieben und sich bisher von der Nachbarschaft fern gehalten haben bzw. sich nicht gemeinsam Händchen haltend gezeigt haben, weil sie denken, dass sie nach Offenbarung ihrer Liebe als Ausgestoßene behandelt werden.
Alles moderne Themen , die in der heutigen Zeit für einige Normal sind – vor allem Homosexualität – aber für andere immer noch das symbolische rote Tuch bedeuten. Ja, es gibt immer noch Menschen die meinen Homosexualität ist etwas krankes und schlimmes, was es nicht geben darf. Dabei sind Männer die Männer lieben, oder auch Frauen die Frauen lieben genauso solche Menschen wie Du und ich. Sie sind Menschen und haben ebenso ein Anrecht als solche angesehen zu werden. Frei nach dem Motto: Wo die Liebe hin fällt….
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Meiner Meinung nach hat der Autor Pierre Szalowski hier ein leises aber auch schönes – teilweise emotionales – Werk geschaffen, dass so manchen vielleicht zum Umdenken anregen könnte.
Von der Verflechtung der Handlungsstränge bin ich doch sehr angetan, denn diese wurden mit Herzenswärme und Gewogenheit ausgedacht, wobei man schon beinah der Meinung sein könnte, dass diese Geschichte hier real sein könnte.
Eine Geschichte alleine kann schon viel erzählen, aber auch in der Schreibe liegt viel Symbolik, die ein Buch erst zu dem macht, was es ist. So kommt der Autor mit einem leicht rührenden aber einfachen und wohl gesonnenen Schreibstil daher. Kurze, knackige Sätze mit einer intensiven Wirkung, welche für eine gewisse fesselnde Note sorgen, die es einem beinah unmöglich machen das Buch beiseite zu legen. Spannung wäre ein zu hartes Wort für diesen Herzerwärmenden Bann, in den man als Leser unweigerlich gezogen wird …aber man kann sich eben nicht so schnell der Geschichte entziehen. Man liest einfach immer weiter, daher kann ich sagen, dass sich dieses Buch auch wirklich leicht und flüssig lesen lässt.
Manches Mal musste ich auch ein wenig schmunzeln , vor allem bei den Szenen um den russischen Doktoranden mit seinen vier Fischchen die im Aquarium unermüdlich ihre Bahnen ziehen, welchen ich mir so richtig bildlich vorstellen konnte, wie er da in einem Wust von Papier sitzt und die geschwommenen Bahnen seiner Fische mit Farbstiften dokumentiert .. Ebenso brachte es mich zum schmunzeln, dass hier indirekt ein Vergleich zwischen den Bahnen schwimmenden Fischen und den Menschen gezogen wird …
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Hach ja, dieses Buch ist für mich in der Tat mal ein schönes Buch, was auch zum nahenden Weihnachtsfest passt – und das sage ich, die dem Konsumfest nichts abgewinnen kann ;-)
Natürlich ist mir bewusst, dass man gerade bei diesem Buch unterschiedlicher Meinung sein kann. Ich denke mal, es kommt auf die jeweilige Gemütsfassung sowie auch Situation an, in die sich der Leser gerade befindet. Es kann durchaus sein, dass ich dieses Werk in ein paar Wochen – wenn ich es erneut lesen würde – vielleicht auch nicht mehr so berührend finden würde. Dies ist zwar nun Spekulation, aber ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass es Bücher gibt, die passen einfach nur zu bestimmten Gefühlssituationen … und der Geschmack des Lesers spielt ja auch immer eine tragende Rolle … auch solch Stichworte wie Kitsch und Klischee die gerne im Zusammenhang mit diesem Buch verwendet werden sind immer Ansichtssache, ein marginaler Hauch von Klischee aber auch Kitsch wird bedient, sorgt hier aber meiner Meinung nach für einen besonderen Touch.
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~|~ Fazit ~|~
Ich bin doch stark beeindruckt und auch irgendwie bewegt von Bei Kälte ändern die Fische ihre Bahnen , dieses Werk ist faszinierend und eignet sich meiner Meinung nach durchaus gut als Lektüre für Kinder / Jugendliche zum Selber lesen oder auch vorlesen.
Denn in ruhiger und leicht spielerischer Weise kann man den Zöglingen nahe bringen, dass nicht immer die heile Welt regiert, es aber auch schöne Momente geben kann, und Liebe nicht nur zwischen Mann und Frau vorherrschen muss.
Alterstechnisch würde ich beinahe sagen so ab 12-14 Jahren, so je nach Reifegrad – das soll aber nicht heißen, dass nicht auch Erwachsene das Buch lesen dürfen.
Von meiner Seite gibt es nichts, was gegen 5*** sowie eine Empfehlung sprechen würde.