Leser-Rezension zu „Ist das ein Mensch?” von Primo Levi
am 14.10.2009
Der italienische Schriftsteller und Chemiker schildert die Erlebnisse der elf Monate, die er von März 1944 bis Januar 1945 im Vernichtungslager Auschwitz verbrachte. Der Autor versucht darin, die leidvollen Ereignisse zu verarbeiten und als Augenzeuge und Überlebender den Ermordeten ein bleibendes Andenken zu errichten. Weder Anklage der Täter noch der Wunsch nach Vergeltung stehen im Vordergrund des Berichts. Levi konzentriert sich vielmehr darauf, die Ursachen und Folgen des Holocaust aufzudecken. Der Titel seines Berichts bezieht sich dabei nicht – wie man vermuten könnte - auf die Täter, sondern die Opfer, die durch ihr uniformes kahl geschorenes, ausgemergeltes Äußeres und ihr aufgedrücktes Schicksal, in der Todesmaschinerie der Lager um zukommen, „entmenschlicht“ wurden. Ihr Wille wurde durch Hunger, Schwerstarbeit und Grausamkeiten gebrochen. Sie waren unfähig, einen eigen Entschluss - selbst den über ihren Tod - zu fassen. Ist das ein Mensch? Wie soll „so jemand“ wieder Mensch werden? Was macht die menschliche Natur aus? All diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Buches. Danke Herr Levi, dass sie dem Unaussprechlichem Sprache gaben!

