"Vielleicht will ich alles" von QueDu Luu
Inhalt:
Der 16-jährige Addi ist unglücklich verliebt, unzufrieden mit seinem Leben und auch sonst läuft nicht alles so, wie er es gerne hätte. Er ist der Meinung, seine Familie ist anders, weil sich seine Eltern täglich streiten und dabei auch gerne mal aufeinander losgehen, doch schon bald wird er eines Anderen belehrt. Er erfährt, dass auch in den Familien seiner Freunde, die doch immer so fröhlich rüberkommen, Tabletten genommen, ausschließlich Fast-Food gegessen und die Kinder abends zum Bier kaufen an die Tankstelle geschickt werden.
Wenn er abends vor dem Lärm, den seine Eltern veranstalten, fliehen will, steigt er aus dem Fenster und läuft durch die Straßen von Bielefeld. Dabei lernt es auch den Obdachlosen Ronald, der von ihm aber aufgrund seiner karierten Anzüge, die er immer trägt, stets Balduin genannt wird. Baldiun stinkt fürchterlich, was auch sehr viele Menschen verscheucht, so aber nicht Addi. Dieser gibt ihm stattdessen Donuts und Kaffee aus und sie freunden sich sogar an. Was Addi nicht weiß: Balduin ist der Vater einer seiner Freundinnen. Ein Beispiel dafür, dass der Schein auch trügen kann.
Als er bei einer "Schlägerei", bei der eine gesamte Klasse auf das unbeliebte Mädchen Alicia, in das sich Addi verliebt hat, einschlagen soll, dazwischen geht und eben jenes Mädchen verteidigt, wird er von einigen gelobt, von anderen ausgelacht oder auch einfach weiterhin ignoriert, dennoch hätte er es jederzeit wieder getan. Denn nun weiß Alicia wer er ist. Doch auch sie verhält sich wie ein ganz normales Mädchen: Zögert oft, ist schnell eingeschnappt und will sich nicht wirklich auf eine Liebe mit Addi einlassen. Doch Addi gibt nicht auf und fängt an, zu begreifen, worum es im Leben wirklich geht, dass nicht alles so ist, wie es scheint, und man nicht immer nach Äußerlichkeiten gehen darf.
Meinung:
Ich bin auf das Buch wegen einer Testleserunde aufmerksam geworden und habe es stets gerne gelesen. Es ist wirklich sehr flüssig und angenehm geschrieben. Man konnte sich außerdem super in die Hauptfigur, also Addi, hineinversetzten, obwohl, oder vielleicht auch gerade weil, die heutige Jugendsprache oft verwendet wurde, zum Beispiel wenn er auf Skins und ähnliche trifft. Das Buch ist zudem super lustig, sodass ich an manchen Stellen laut loslachen musste und niemand verstand warum, weil sie das Buch ja nicht gelesen hatten:)
Ein klitzekleinen Abzug gibt es dennoch: Manchmal fand ich die Geschichte ein wenig unrealistisch: Addi bekommt 100 Euro Taschengeld die Woche!!! ! Außerdem ist es auch unwahrscheinlich, dass er am Ende alles bekommt, was er will. Aber auch noch andere Ungereimtheiten kamen darín vor. Allerdings ist das jetzt nicht so unbedingt schlimm.
Aber hier ein paar Beispiele, die ich verwirrend aber auch irgendwie witzig fand:
-"Also war alles, was schlecht war, auch irgendwie gut und alles, was gut war, irgendwie schlecht. War das nun gut oder schlecht?"
-"Du bist wirklich okay", sagte sie," und deine Mutter ist... schwierig." Ich wusste nicht, was für ein Zusammenhang da bestand. Meinte sie, ich sei okay, OBWOHL meine Mutter schwierig war? Oder ich sei okay, WEIL meine Mutter schwierig war? Das wohl kaum. Aber der Zusammenhang was egal. Hauptsache, ich war nett und okay für sie.
-"Ja, wenn ich es mir genau überlege: Wieso soll man Frauen denn nicht schlagen dürfen?", fragte Jonas nun. "Weil sie schwächer sind", sagte ich. "Dann dürfen sich zwei Männer auch nie schlagen", sagte Jonas. "Wieso?" "Weil einer immer schwächer ist." "Du bist gar nicht dumm", sagte ich. "Aber Männer sind auch meistens größer." "Dann darf ein man mit 1,80 Meter keinen Mann schlagen, der 1,70 Meter groß ist?" "Hast recht", sagte ich. "Dann gehts doch nach Stärke." Die vier glotzten blöd. "Dann darfst du auch keine Frauen schlagen", sagte Jonas. "Es sagt ja auch keiner was, wenn du einen Schwächeren schlägst." "Aber Behinderte darf man auch nicht schlagen", sagte ich. "Sind Frauen etwa behindert?", fragte Jonas. "Du hast recht. Es stellt sich erst im Kampf raus, wer stärker oder wer schwächer ist. Das weiß man vorher nicht. Wenn man das wüsste, dürfte der Stärkere den Schwächeren nicht hauen, weil das ja gemein ist, einen Schwächeren zu verhauen, und der Schwächere würde isch auch nicht hauen wollen - Der Schwächere haut sich ja nur, weil er denkt, er sei der Stärkere." "Ey Bruder, du hast es geschnallt!", sagte Jonas. [...] "Dürfen Frauen denn Frauen schlagen?" "Von der Gesellschaft müsste das toleriert werden", sagte er. "Weil Männer auch Männer schlagen dürfen. Aber wie wir eben gehört haben, wäre es unfair, wenn stärkere Männer schwächere Männer schlagen. Da sie das aber dürfen, folgt daraus, dass Männer auch andere schwächere Personen, sprich Frauen, schlagen dürfen. Wenn das zutrifft, dürfen selbstverständlich auch Frauen Frauen schlagen, auch wenn eine von den beiden Frauen auf jeden Fall schwächer ist. Jeder darf alles!"
-"Frau Kirchhoff, guten Tag", sagte meine Mutter. "Wir müssen in Zukunft den Waschkeller abschließen. Das mag zwar umständlich sein, aber unsere Waschmaschine wurde in der letzten Nacht gestohlen!" "Wieso?", fragte Frau Kirchhoff. "Soviel ich weiß, wurde sie abgeholt." "Wie kommen Sie denn darauf?", fragte meine Mutter überrascht. "Ihr Sohn", sie zeigte auf mich,"hat die doch heute abholen lassen. Von zwei Türken. Sie standen noch auf dem Parkplatz und haben Lärm gemacht." "Addi!", sagte meine Mutter, und wenn Frau Kirchhoff nicht in Raum gewesen wäre, hätte sie "Addi" wohl lauter ausgesprochen. Ich hätte antworten können, dass das gar nicht stimmt. Erstens waren es keine Türken, und zweitens hatten wir keinen Lärm gemacht, jedenfalls nicht so einen Lärm wie meine Eltern noch vor ein paar Tagen. Außerdem war Frau Kirchhoff eine blöde Klatschtante, die den ganzen Tag hinter dem Fenster stand und die Nachbarn beobachtete. "Ach ja", sagte ich und schaute dabei auf den leeren Platz, an dem die Waschmaschine gestanden hatte. "Jetzt erinnere ich mich wieder. Freunde haben sie sich ausgeliehen. Ihre war kaputt und sie müssen so viel waschen."
Mehr fallen mir so schnell nicht ein:)
Jedenfalls ist es ein schönes Buch und hat auf jeden Fall verdiente 4 Sterne von mir bekommen.