Ein merkwürdiges Buch
Der deutsche Titel ist vollkommen irreführend, denn hier geht es nicht um '"Das geheime Leben der Bücher"', sondern um einen einsamen, melancholischen, namenlosen Buchhändler, der in seiner kleinen Buchhandlung lebt, sie nie verlässt, nichts isst und nur Kräutertees trinkt ' nach jedem Kunden einen.
Da es eine kleine Buchhandlung ist und er auch nur Bücher anbietet, die er selbst gelesen hat, kommen nicht viele Kunden vorbei und die, die sich in diesen kleinen, engen Laden verlieren, sie fast allesamt merkwürdige Gestalten: der Fatalist, eine Dame in Schwarz mit Sense, Gott, ein Dalai Lama, die Frage, eine Baronin, Zeugen Jehovas und leider auch Paare, Paare kann der Buchhändler nicht ausstehen, vor ihnen müssen die Bücher beschützt werden. Mit diesen Kunden entwickeln sich die merkwürdigsten Dialoge.
'"Guten Tag. Ich suche den Bereich 'Persönlichkeitsentwicklung'.'"
"'Der ist auf der anderen Strassenseite ' genau gegenüber.'"
"'Danke!'"
"'Keine Ursache'"
'"Vor ihrer Buchhandlung liegt ein kaputter Staubsauger'"
'"Der Himmel hat ihn mir geschickt'"
'"Herr, erspar uns Deinen Zorn'"
'"Etwas später, als Buchhändler ungewollt einen köstlichen Kräutertee schlürfte, trat ein Dalai Lama ein und ging durch die Bücherregale hindurch, bis er vor dem Buchhändler stand. Der Buchhändler verneigte sich. '"Haben Sie das grosse Buch des Lebens?'", fragte ihn der Dalai Lama. '"Ich fürchte, es ist vergriffen'", erwiderte der Buchhändler. '"Genau das habe ich mir gedacht'", sagte der Lama wobei er im Lotussitz auf dem Schreibtisch des Buchhändlers Platz nahem. '"Haben Sie es je besessen?"', fragte er weiter. "'Ja'" '"Haben Sie es gelesen?'" "'Ja"' "'Und?"' "'Enttäuschend"', bemerkte der Buchhändler. "'Ehrlich?'" "'Mit anderen Worten, ziemlich voraussehbar"', sagte der Buchhändler. '"Aha."' Der Dalai Lama schwieg und meditierte. Der Buchhändler versank wieder in seine Lektüre'"
Das Buch ist verwirrend, skurril, teilweise geradezu bizarr und manchmal reichlich sinnlos. Der namenlose Buchhändler wirkt öfters liebens- und gleichzeitig bedauernswert, wie er sich so selbst verliert in seinen Bücher und dabei das Leben verpasst.
"Sobald er ein Buch aufschlug, war der Buchhändler glücklich.
Oder zumindest fühlte er sich wohl.
Es war fast eine kindliche Freude.
Es war auch eine Schwäche.
Er hatte den Eindruck, dass sich jemand um ihn kümmerte, dass sich jemand um ihn sorgte.'"
Die Sprache ist poetisch, die Gedanken teilweise wirklich hübsch, aber schöne Sätze ohne Tiefgang und Sinn dahinter, das genügt mir als Leser nicht. Was soll ich davon halten, wenn 'eine Frage' den Buchladen betrifft und der Buchhändler zu atmen aufhört, damit sie ihn nicht findet? Oder, dass Gott Mozart im Laden auflegt? Oder, dass ein Mädchen in den Buchladen kommt und Eclairs bestellt und der Buchhändler dann auch noch fragt, 'weiss oder dunkel', bevor er in seine Küche oberhalb des Ladens flüchtet? Was soll ich von den drei Frauen auf dem Schiff zu Beginn und am Ende des Buches halten, die alle wollen, dass das Schiff sinkt? Oder von der nackten Frau, die da ist und dann wieder weg?
Nein, das Buch hat mir nicht wirklich gefallen.
Schade, denn ich hatte mir einiges davon versprochen, aber eine schöne Sprache allein, macht nun mal kein gutes Buch und nur weil es um Bücher geht, muss es mir als 'Gerneleser' noch lange nicht gefallen.
Zwei Sterne, mehr ist leider nicht drin.