Rezension zu "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" von Rachel Joyce

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riverrun

Vor 9 Monaten

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Ich muss zugeben, dass ich normalerweise zurück schrecke, wenn es so viele Leute Bücher loben und so viel darüber berichtet wird. Aus diesem Grund war ich mir bei dem Kauf von Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry nicht sicher, ob dies die richtige Entscheidung war. Aber ein Mann, der in seinen Sechzigern ist und quer durch das Vereinte Königreich wandert um eine Frau, die im Hospiz liegt, vom Sterben abzuhalten, klang für mich sehr amüsant. Doch ich wurde eines besseren belehrt, an dem Buch findet man wenig wirklich amüsantes, vielmehr ist es sehr deprimierend, emotional und nachdenklich.

Aber bevor ich genaueres über die Geschichte an sich erzähle, möchte ich etwas zu den Formalien sagen. Anfangs, so muss ich zugeben, war ich doch etwas enttäuscht. Ich fand die Sprache sehr flach und nicht sehr lebhaft. Als ich jedoch weiterlas, begann es mir zu dämmern. Eine geblümte lebhafte Sprache würde die Geschichte verfälschen. Der Hauptcharakter, Harold, ist ein einfacher und sehr schüchterner Mann, die Sprache ist also mehr als passend. Sodass ich letztendlich die Sprache zu schätzen begann und auch überaus genial finde, da es die Situationen sehr gut einfängt.

Nun Harold erhält einen Brief, von einer alten Freundin, indem sie sich verabschiedet, da sie wegen eines inoperablen Krebses in einem Hospiz in Berwick liegt. Harold, der zusammen mit seiner Frau Maureen, ein sehr trauriges Leben führt, weiß nicht wie er darauf reagieren soll. Die Ehe von Maureen und Harold hält wahrscheinlich nur noch die Bequemlichkeit zusammen, sie reden kaum noch mit einander. Der Grund ist hauptsächlich deren Sohn, David, welcher auf die schiefe Bahn geraten ist. Harold entschied auf den Brief zu antworten und möchte ihn wegbringen, da unterhielt er sich mit einem Mädchen von der Tanke und macht sich auf zu seiner Wanderung quer durch das Vereinte Königreich. Ohne Vorbereitung und ohne Ausrüstung. Das stößt nicht nur bei Maureen auf Unverständnis. Während seiner Wanderung trifft Harold viele unterschiedliche Menschen mit diversen Lebensgeschichten, auch sein eigenes Leben beginnt er zu reflektieren. Zu Hause ergeht es Maureen ähnlich.

Die Geschichte ist wahnsinnig emotional auf einer teilweise sehr traurigen Ebene, es regt zum Nachdenken an. Ganz ehrlich, ich kann meine Gedanken zu diesen Buch kaum ordnen bzw. zu Wort bringen. Es fasziniert, man fühlt mit und eigentlich schreckt es auch ab, denn so ein Leben möchte man eigentlich nicht führen. So ist die Reise an sich nicht der Mittelpunkt, sondern wie es dazu kommen konnte. Für mich ist es bisher das Buch des Jahres 2012, gut man weiß nicht, was noch kommt, aber es steht zumindest auf dem Treppchen. Fazit: sehr sehr lesenswert!

Autor: Rachel Joyce
Buch: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
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