Leser-Rezension zu „Glückliche Ehe” von Rafael Yglesias

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Verfasst von Leserrezension2010
am 23.08.2010
 

A103 Glückliche Ehe von Rafael Yglesias Kategorie: Allgemein

Jetzt nach der Lektüre von "Glückliche(r) Ehe" stellt sich mich unweigerlich die Frage was es mit dem Titel des Buches auf sich hat. Empfand Rafael Yglesias diese Ehe tatsächlich als "glücklich" oder ist es reiner Zynismus?
Dass, das Buch autobiografisch ist, habe ich bereits vor der Lektüre geahnt. Später durch Recherche mehrere Artikel dazu in New York Times und anderen Online Plattformen gefunden, die mein Gefühl bestätigen. Zu viele wichtige Details scheinen sich zu überlappen. Aber erst der Inhalt:
Das Buch beginnt mit dem Sterben. Eine Frau mittleren Alters hat Krebst und keine Chance auf Heilung. Detailliert beschreibt Yglesias die Therapie, die einem schon beim Zuhören schmerzt. Wir erfahren etwas über ihre Familie, ihren Mann Enrique und die beiden Söhne.
Das zweite Kapitel ist eine Reise in die Vergangenheit. Das Jahr 1976, in dem Margret - die nun im Sterben liegt - Enrique den jungen Autor kennenlernt.
So welchselt sich die Gegenwart mit der Vergangenheit Kapitel zu Kapitel ab. Einmal haben wir den Leidensweg dieser Frau und im nächsten Kapitel die wichtigsten Ereignisse dieser Ehe, die mir um ehrlich zu sein nicht als sehr glücklich erscheint.
Am Anfang empfindet man Margret als zu rechthaberisch, zu hart und einfach nur unsympatisch. Die ganze Zeit hat man mit dem Pantoffelhelden Enrique ein wenig Mitleid. Nicht nur, dass er ein paar Jahre jünger ist als sie, er scheint auch noch völlig unsicher. Je weiter man jedoch liest, desto mehr stellt sich die Frage: Wer von beiden ist denn ein Opfer? Vielleicht sogar beide? Oder doch keiner?
Letztendlich bringt einen der Roman völlig zum Zweifeln. Lohnt sich eine Ehe überhaupt? Denn das was Enrique durchmacht - leider erfahren wir nur seine Sicht der Dinge - kann für einen außenstehenden nicht wirklich als "gut" und "angenehm" wahrgenommen werden. Es gibt so viel Schmerz in dem Roman, dass man tatsächlich nur auf Zynismus kommt wenn man den Titel des Buches betrachtet.
Ist eine Ehe der Verlust des eigenen Ichs ? Heißt "heiraten" alles aufgeben was einem lieb ist und nur noch von Kompromissen leben?
Dieser Roman ist ein Meisterwerk, nicht zuletzt weil es sehr autobiografisch ist und nur dadurch so authentisch und ehrlich erzählt, was eine Ehe eigentlich ausmacht. Es ist kein 08/15 Roman über die Liebe gefolgt von einem Happy End. Es ist ein Beispiel aus dem Leben wie es jeden treffen kann und deswegen ist dieses Buch so erschreckend.

 

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Rafael Yglesias

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Glückliche Ehe
von Rafael Yglesias

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