Leser-Rezension zu „Der Gartenkünstler” von Ralf Günther
am 14.03.2010
Hermann Fürst Pückler zu Muskau ist ein Lebemann und Liebhaber schöngeistiger Dinge und vor allem der Frauen. Als seine Leidenschaft für die Gartenarchitektur sein Vermögen rasant zum Schmelzen bringt, beschließt er sich von seiner so geliebten Lucie zu trennen, um sich an Londons ersten Höfen nach einer reichen Gattin umzuschauen. Während seiner Reise schreibt er Lucie Tagebuch ähnliche Briefe, die später als „Briefe eines Verstorbenen“ verlegt wurden. Nur soll sich diese Reise laut des Erzählers in diesem Roman gar nicht so zugetragen haben. Durch einen mysteriösen Zufall bekommt er die wahren Briefe in die Hand und schreibt eine ganz andere Geschichte nieder…
Soviel zum Inhalt dieses Buches. Ich war gespannt wie der Autor die Biographie des Fürsten mit den Frauenmorden und der Anspielung auf Sherlock Holmes miteinander verbindet, und wurde leider sehr enttäuscht.
Während seines Aufenthaltes in London wird der Fürst als „ Gottes Geschenk an die Frauen“ dargestellt und was noch viel schlimmer ist, die holde Weiblichkeit nimmt das auch ohne Widerspruch an. In jeden Rockzipfel mit ein paar (viele müssen es nun wirklich nicht sein) weiblichen Attributen verliebt sich der Fürst stehenden Fußes und besitzt auch noch die Geschmacklosigkeit es seiner geliebten „Schnucke“ zu schreiben, mit allen Details. Ein bisschen Spannung kommt durch die Morde auf, deren Verbindung zu Pückler und deren Aufklärung sind allerdings hier so lieblos gestaltet das die Spannung schnell verfliegt. Auch die Figur des Holmes verspricht am Anfang viel, wird aber im Laufe des Romans immer nebensächlicher. Durch die letzte Hälfte des Buches habe ich mich durchgekämpft. Es war ermüdent diesen liebestollen Fürsten auf seiner Reise zu begleiten.

