Leser-Rezension zu „Das Lächeln der Fortuna” von Rebecca Gablé

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Stefan83 Stefan83
Verfasst von Stefan83
am 16.10.2011
 

Im Jahre 1997 machte eine deutsche Autorin namens Rebecca Gablé mit dem historischen Roman "Das Lächeln der Fortuna" zum ersten Mal auf sich aufmerksam. Aufgrund des Covers und des Titels schon zu damaliger Zeit als Frauenliteratur abgestempelt, hat es teilweise ziemlich lange gedauert bis Gablés Werke ihren Weg auch in die Hände der männlichen Leser gefunden haben.

Die anfängliche Skepsis, die mich selbst beschlich als ich den Titel in der Hand hielt, war jedoch schon nach wenigen Seiten wie weggeblasen. Und seit dieser Zeit hab ich das Buch nun schon mindestens fünfmal gelesen. Gablés Auftakt der Waringham-Trilogie braucht den Vergleich mit Genregrößen wie Follett oder Cornwell nicht zu scheuen und kann in vielen Fällen diese sogar übertrumpfen. Von Beginn an wird der Leser mit Lichtgeschwindigkeit in die Epoche des Mittelalters katapultiert, welches die Autorin so detailliert zum Leben erweckt, das es einem stellenweise schlichtweg den Atem raubt. Die Story sei nur kurz angerissen:

England 1360. Robin of Waringham, zweiter Sohn des Earl of Waringham, führt ein behütetes, wenngleich auch langweiliges Leben im Kloster von St. Thomas. Bis ihn die Nachricht vom Tode seines Vaters erreicht. Als Verräter am Schwarzen Prinzen hingerichtet, verliert sein Sohn alle Ansprüche auf das Erbe und wird von einem Tag zum anderen mittellos. Er flieht aus der Obhut des Klosters, um sich als Stallknecht in einer Pferdezucht zu verdingen und trifft es dort anfänglich gut an. Der trügerische Friede hat jedoch bald ein Ende als der neue Earl samt Sohn Mortimer in die Burg einzieht. Zwischen Robin und Mortimer erwächst eine Feindschaft, die ein Leben lang halten und ihr beider Leben bestimmen soll.

Gablé wählt das England zur Zeit des 100jährigen Krieges als Schauplatz und kreiert einen Plot, der ausführlichst recherchiert auf historischen Ereignissen basiert. Sie stützt sich dabei größtenteils auf historische Persönlichkeiten, dessen Lebensläufe perfekt mit denen der fiktiven Figuren verwoben werden, weshalb man neben dem puren Lesespaß noch eine gehörige Portion geschichtlicher Kenntnis vermittelt bekommt. Besonders die Darstellung des charismatischen John of Gaunt, des Dukes of Lancaster, ist meisterhaft gelungen und setzt hier neue Maßstäbe in diesem Genre. Hinzu kommt Gablés Schreibstil. Obwohl ihr Werk mehr als 1000 Seiten zählt, sucht man nach zähen oder langatmigen Passagen vergebens. Das Lächeln der Fortuna" liest sich wie aus einem Guss, was auch daran liegt, dass Robins bewegtes Leben einer Achterbahnfahrt gleicht, an der man nur allzu willig teilnimmt und von der man am Schluss dafür umso weniger Abschied nehmen will. Nicht selten ertappt man sich dabei, wie man sich gemeinsam mit ihm in glücklichen Momenten freut oder eine Träne wegblinzelt, wenn dieser erneut von Fortunas Rad heruntergepurzelt ist.

Einziger Kritikpunkt: Gablé will stellenweise zuviel und lässt Robin so ziemlich durch jede überlieferte historische Begebenheit dieser Zeit stolpern, was den Roman letztendlich etwas überfrachtet. Ihre späteren Werke, insbesondere Band 2 und 3 der Waringham-Trilogie, wirken in sich geschlossener und weitaus straffer.

Insgesamt aber ist "Das Lächeln der Fortuna" eine der Perlen des Genres. Ein gewaltiges, mitreißendes Ritterepos über höfische Intrigen, das Elend des Krieges, Bauernunterdrückung und Liebe, das nicht nur den gelungenen Auftakt einer grandiosen Trilogie bildet sondern gleichzeitig zu den besten historischen Romanen der letzten Jahre zählt. Für alle Freunde guter, sachlich fundierter und kurzweiliger historischer Romane ein absolutes Muss.

 

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Das Lächeln der Fortuna Das Lächeln der Fortuna
Rebecca Gablé

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Das Lächeln der Fortuna
von Rebecca Gablé

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