Rezension verfasst vor 1 Jahr
(7)
Manche Menschen reagieren auf Veränderungen in ihrer Umgebung stärker, andere schwächer.
Einige greifen zu Drogen und Alkohol. Der ein oder andere glaub mit Schweigen sich helfen zu können, was dann aber meist in Suizid endet.
Das Werk „Das Ich“ beschäftigt sich mit diesen Thematiken auf zwei ganz unterschiedliche Herangehensweisen.
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In der ersten Geschichte „Koma“, erschafft Rebecca Jeltsch durch ihr zeichnerisches Talent, die Geschichte um den jungen Mann namens Christian, welche fast ohne Worte auskommt.
Gefangen in dem Kreis der Drogen, quälen ihn jeden Tag heftige Alpträume. Er sieht Schemen, die ihn verfolgen; Menschen, die ihn als Versager beschimpfen und die Reproduktion seiner Selbst.
Dabei ist es kaum noch möglich zwischen Realität und Traum zu unterscheiden, so tief steckt er schon im Drogensumpf.
Rebecca Jeltsch hat einen schönen, geradlinigen Zeichenstil, der die Geschehnisse deutlich darstellt.
Egal in welcher Position sich der Hauptcharakter auch befindet, man hat nie das Gefühl, die Proportionen werden dem Charakter nicht gerecht. Auch verzichtet sie auf zu große Szenarien im Hintergrund, was den Fokus immer wieder auf Christian lenkt.
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Die zweite Geschichte ist von der darstellerischen Seite her fast das Gegenteil.
Hier wird das Hauptaugenmerk auf den Text gelenkt, welcher von Markus Heitz geschrieben wurde.
„Erwachen“ nennt sich seine Kurzgeschichte, die von Rebecca Jeltsch zeichnerisch begleitet wurde. Die Hauptperson Soscha, befindet sich heftiger in Parallelwelten als ihr Vorredner Christian.
Man kann noch schlechter zwischen Wahn und Realität unterscheiden, teilweise ist man als Leser selbst nicht mehr sicher, ob dies nun gerade passiert oder sich nur in dem Kopf von Soscha abspielt.
Erst auf den letzten Seiten wird man von Markus Heitz von dieser Verwirrtheit erlöst.
Die Geschichte liest sich sehr schnell, da viele Szenenwechsel vorkommen und man kaum eine Pause zum durchatmen bekommt. Der Schreibstil von Herrn Heitz macht seinem Namen alle Ehre, als Leser von ihm, wird man hier nicht enttäuscht.
Aber auch die Hintergrundgestaltung von Rebecca Jeltsch passt sich der Handlung fast harmonisch an. Leider schaut man nach dem umblättern immer zuerst auf die Zeichnung und dann widmet man sich wieder dem Text, was teilweise schon kommende Szenen verrät. Trotzdem schadet dies nicht dem flüssigen Verständnis des Textes.
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In beiden Erzählungen gibt es drei konstante Personen, die die Hauptprotagonisten begleiten. Es sind die Hauptköpfe der Band „Das Ich“. Entweder warnen sie oder Verführen, aber sie greifen nicht ein. Sie schlüpfen lediglich in die Rolle der Beobachter, meist in Form von Schemen im Hintergrund oder als flüsternde Stimmen. Dargestellt werden sie in menschlicher Form, mir Hörnern auf dem Kopf, Irokesenschnitt und schwarzer Mähne.
Wem „Das Ich“ an dieser Stelle nicht bekannt ist, folgt eine kurze Erklärung:
„Das Ich“ besteht seit über 20 Jahren. Die deutschsprachige Band, welche sich aktuell aus Bruno Kramm, Stefan Ackermann und Marty Söffker zusammensetzt, verkörpert genau die drei Figuren, welche hier stetig auftreten.
Bruno Kramm ist außerdem der Mitbegründer und Inhaber des bekannten Labels „Danse Macabre“.
Ihr musikalisches Genre lässt sich am ehesten bei Wave, Crossover und Elektro einordnen. In ihren Songtexten ist ihnen wichtig, dass sie dem Hörer genügend Freiraum für Interpretationen lassen und eine bildliche Sprache benutzen. Vielleicht ist deshalb auch Bruno Kramm ein Mitwirkender der beiden Horrorgeschichten, denn die Stufe der eigenen Selbstdarstellung auf der Bühne haben sie bereits erfolgreich bestritten, fehlte nur noch die Form auf Papier.
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Alles in allem, ist dieses Werk gut gelungen.
Die Mischung zwischen Zeichnung und Geschichte macht es hier einfach wert, sich dieses Buch einmal näher zu Gemüt zu ziehen. So viele gute Künstler auf einem Haufen, in einer Lektüre findet man selten.
Positiv ist noch das kleine Making-Of zu vermerken.
Hier sieht man die Zeichnungen, wie sie direkt aus der Hand des Künstlers kommen, noch vollkommen unbearbeitet und dennoch kann man deutlich das Talent, was dahinter steckt erkennen.
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Punkte: 9 von 10
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