Rezension verfasst vor 2 Jahren
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Die Autorin Regina Schleheck serviert in ihrer Geschichtensammlung KLAPPE ZU – BALG TOT, 24 Kurz- bis Minigeschichten, die nur schwer zu kategorisieren sind. Minidramen? Schwarze Komödien? Alltagsbeobachtungen?
Sie schreibt vom vermeintlich Alltäglichen. Ihr Protagonisten sind einfach, zu großen Teilen sogar einfältig gestrickt und manchmal lebensgefährlich in ihrer Einfältigkeit.
Der Untertitel BITTERBÖSE GESCHICHTEN ist durchaus keine leere Versprechung.
Was sollte reizen, KLAPPE ZU – BALG TOT zu lesen, wenn es hier um einfache, alltägliche und dabei sogar böse Dinge geht?
Vielleicht das Talent der Autorin, treffsicher und pointiert zu (be)schreiben. Regina Schleheck faselt nicht. Kein Wort zuviel findet sich in ihren Sätzen. Unverblümt geht es zur Sache. Auch gerne mal sexuell („Wenn ich nachts wach wurde, weil sein Schwanz sanft aus meine Möse geploppt war, dann genügte ein leichtes Ruckeln mit dem Gesäß, und schon erhob er sich wieder und drang in mich ein, ohne dass sein Besitzer davon etwas mitbekam.“ MARTINS LINGAM) ohne allerdings pornografisch zu werden. Die Autoren dringt ein, wie mit einem Skalpell. Sowohl in ihre Figuren, wie auch in ihre Leser. Zunächst unbemerkt schmerzlos, dann klinisch sezierend, nur, um die Klinge mit dem letzten Satz in der Wunde umzudrehen.
Vielleicht auch die unbedingte Nachvollziehbarkeit der Handlungen. Die Autorin pflanzt die innersten Regungen ihrer Protagonisten förmlich in den Leser ein. Das Gären der Wut bis hin zum unversöhnlichen Ende (WEGGEGANGEN – PLATZ VERGANGEN), die Hoffnung, gefolgt von Enttäuschung und Entsetzen (SONNE AUF DER HOTELTAPETE).
Unerfüllte Träume und Hoffnungen zerplatzen in KLAPPE ZU – BALG TOT an der brutalen Wirklichkeit, an unerfüllten Erwartungen und an den ungeschriebenen Regeln der Gesellschaft.
Ganz sicher aber die teilweise Doppeldeutigkeit einiger Geschichten, die – bei aller Knappheit – nicht locker lassen und erst beim nochmaligen Drängen durch die Gehirnwindungen ihre volle Komplexität und Kraft entfalten (KLAPPE ZU – BALG TOT). Die bewusste Einfachheit tut ihr übriges, Regina Schlehecks Geschichten ungefiltert direkt ins Gehirn vordringen zu lassen.
Eine mindestens schwarzhumorige Ader sollte man bei der Lektüre mitbringen. Laden einige der Stories durchaus zum Schmunzeln ein (WENN DER POSTBOTE ZWEIMAL KLINGELT) bleibt doch öfter das sich ankündigende Lachen im Halse stecken (SCHWEINIGELEIEN). Einigen Beiträgen merkt man bereits früh das unausweichlich böse Ende an, dass nicht durch ein befreiendes Lachen oder durch die Tatsache, das der Betroffene eine Wahl hatte, abgeschwächt wird (LAMM GOTTES). Diese haben nichts mehr von schwarzen Humoresken oder doppeldeutigen Gleichnissen sondern sind unversöhnliche, grobkörnige Momentaufnahmen, wie die Fotos unschuldiger Kriegsopfer.
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