Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Es war nichts Ungewöhnliches für mich, dass ich mitten in der Nacht aufwachte, und mein Bett war voller kartographischer Gerätschaften, als ob Nachtgespenster versucht hätten, meine Träume zu kartieren.
„Die Karte meiner Träume“, der Debütroman von Reif Larsen, erzählt die Geschichte von T. S. Spivet. T. S. ist 12 Jahre alt und lebt mit seiner verschrobenen Familie auf einer Ranch in Montana, mitten im Nirgendwo.
Während Gracie die typische große Schwester ist, die man keinem Zwölfjährigen wünschen möchte, verbringt sein raubeiniger Vater die Zeit damit, sich um die Ranch zu kümmern und in alten Western zu schwelgen und seine Mutter, eine Insektenforscherin, jagt schon seit Jahren dem Tigermönch hinterher, einem Käfer, von dem sie selbst nicht weiß, ob er existiert. Und dann wäre da noch Layton, T. S.‘ jüngerer Bruder, der sich vor kurzem durch einen Kopfschuss das Leben nahm.
Doch auch T. S. ist nicht gerade das, was man sich unter einem „gewöhnlichen“ Jungen vorstellt. Seine Freizeit verbringt er damit, alles, was ihn umgibt zu dokumentieren, zu kartographieren und penibel genau festzuhalten. Als ihm für seine Zeichnungen ein berühmter Wissenschaftspreis verliehen werden soll, begibt sich T. S. auf eine abenteuerliche Reise nach Washington.
Bevor ich meine Meinung zum Inhalt des Buches kund tue, möchte ich ohne große Umschweife die liebevolle Aufmachung loben. Auf jeder Seite bedeckt der Text nur etwa zwei Drittel der Seite, der übrig bleibende Rand ist oftmals mit abschweifenden Erklärungen und Vorgeschichten oder den Zeichnungen und Diagrammen bedeckt, die T. S. auf seiner Reise anfertigt. Auf fast jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken!
Die Geschichte selbst hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Der Schreibstil passt perfekt zu T. S.‘ Persönlichkeit und seinem etwas verschrobenen Charakter. Mal nüchtern sachlich, dann wieder kindlich, naiv und verspielt lesen sich die Seiten fast von alleine weg. Manchmal wünscht man sich beinahe, zwischen die Zeilen zu schlüpfen und diesen kleinen Jungen einfach mal in den Arm zu nehmen.
Alle Figuren sind mir sofort ans Herz gewachsen und ich habe bis zur letzten Seite mit gefiebert, wie es denn nun ausgeht, denn absehbar ist die Handlung überhaupt nicht und die größte (und fast auch die schönste) Überraschung gibt es noch auf den letzten sechs Seiten.
Ein Buch, das ständig zwischen subtiler Trauer und beneidenswerter Unbekümmertheit schwankt und mich persönlich verzaubert hat.
Auf jeden Fall für alle zu empfehlen, die mal wieder eines dieser „besonderen“ Bücher lesen wollen!
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