Leser-Rezension zu „Die profanen Stunden des Glücks, Geschenkausgabe” von Renate Feyl
am 6.02.2010
Renate Feyl biographischer Roman beschriebt das Leben von Sophie la Roche, der Autorin des ersten deutschen Frauenroman und eine der ersten bedeutenden Schriftstllerinnen in Deutschland. Obwohl Sophie la Roche Zeit ihres Lebens gegen Widerstände ankämpfte, die ihr als Frau entgegen schlugen, zeigt Feyl die Autorin nicht als rebellische Emanze. Sophie sieht sich immer in ersten Linie als Mutter von fünf Kindern und Ehefrau eines hohen Staatsbeamten, dessen Ansehen und Kariere sie in keinster Weise komprimieren würde. Weißwäsche und Repräsentationspflichten gehen immer vor ihrem literarischen Schaffen. Trotzdem fliegt ihr der Erfolg zu. Ihr Leben scheint perfekt zu sein. Ihr Mann macht Kariere, ihre Kinder sind wohlgeraten, sie selbst gilt als angesehnste Schriftstellerin Deutschlands. Doch plötzlich verliert ihr Mann seinen Posten und als Sophie ihre Familie von ihrem Schreiben ernähren muss, erkennt sie auch die drückende Ungerechtigkeit des Verlagssystems, dass den Verleger an einem erfolgreichen Buch reich werden läßt, während der Autor davon kaum leben kann.
Renate Feyls Stil ist etwas behäbig, sie imitiert nicht direkt die Sprache des 18. Jahrhunderts, ist jedoch deutlich davon beeinflußt. Das muss man mögen, mir hat es gefallen. Ein leises Augenzwinkern liegt in der sich städnig widerholenden Klage vieler Protagonisten wie Sopie, Wieland oder Gellert, der Literaturbetrieb fördere nur noch das Nivealose, Reißerische, Oberflächige. Das erinnert einen doch daran, dass diese Klage vermutlich so alt ist, wie die Literatur selbst.

